iHaveCNit: The Last Duel (2021) – Ridley Scott - 20th Century Studios
Deutscher Kinostart: 14.10.2021
gesehen am 14.10.2021
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kinosaal 12 – Reihe 16, Platz 15 – 20:40 Uhr
Die mittlerweile 83 Jahre alte und vielseitige Regielegende Ridley Scott hat im 4. Quartal 2021 zwei interessante und große Filmprojekte in der Pipeline. Bevor Ende November „House of Gucci“ in die Kinos kommt, ist es „The Last Duel“, der den Anfang macht und nun in den Kinos gelandet ist. Bei „The Last Duel“ handelt es sich um einen unfassbar wichtigen Film mit einem unfassbar wichtigen und aktuellen Thema. Das Drehbuch zu dieser historischen und wahren Begebenheit wurde vom Duo Matt Damon und Ben Affleck verfasst, die für die wichtige weibliche Perspektive des Films als dritte Nicole Holofcener für das Drehbuch an Bord geholt haben.
Frankreich im 14. Jahrhundert. Der Ritter Jean de Carrouges ist auf einer Reise nach Paris unterwegs, damit er sich den Sold für seinen Dienst in einer Schlacht abholen kann. Während seiner Abwesenheit macht sich sein ehemaliger bester Freund Jaques Le Gris zu seiner Burg. Dort angekommen kommt es zu einer Vergewaltigung bei dem Le Gris die Frau von Jean, Marguerite De Carrouges vergewaltigt. In Folge des strafrechtlichen Prozesses kommt es zu einem Duell auf Leben und Tod zwischen Jean und Jaques, damit nicht nur die eigene Ehre hergestellt wird, sondern auch zumindest eine kleine Form der Genugtuung für Marguerite geleistet wird.
Wer bei „The Last Duel“ eine große Heldenreise wie in Scotts „Gladiator“ oder ein opulentes Schlachtengemälde wie in Scotts „Kingdom Of Heaven“ erwartet ist bei „The Last Duel“ im falschen Film. „The Last Duel“ ist zwar opulent und groß inszeniert und bietet partiell einige kurz angerissene Schlachten, bleibt aber die meiste Zeit dicht bei seinen Charakteren und das ist auch gut so. Mal ganz abgesehen von Oberflächlichkeiten, die sich mit einem doch sehr blau- und graustichigem Color-Grading und auch der Auswahl des Make-Up und Hairdesigns bei zum Beispiel Matt Damon und Ben Affleck zeigen ist der Film in Setdesign und Kostümen sehr opulent, atmosphärisch und großartig. Und über diese Oberflächlichkeiten sehe ich auch hinweg, weil diese dem Film am Ende nicht schaden. Das Thema des Films ist im Nachbeben von #metoo aktueller und wichtiger denn je. Am männlichen Grundbedürfnis nach Sex und Intimität ist grundsätzlich nichts verkehrt, aber gerade sich einfach überall und bei jeder Gelegenheit das Recht rauszunehmen und die Grenzen der Frau zu missachten, damit dieses Bedürfnis befriedigt wird ist unbestreitbar ein Problem, dass vor allem bei der damaligen Auslegung von Geschlechterrollen und -Dynamiken durchaus extremer gewesen sein muss als heute – wobei es durchaus auch kulturelle und religiöse Bevölkerungsgruppen gibt, deren Auslegung von Geschlechterrollen und -Dynamiken heutzutage sich nicht signifikant von der damaligen Auslegung unterscheidet und hier noch sehr viel Arbeit nötig ist. Die Aufbereitung des Vergewaltigungsfalls wird vom Trio aus Matt Damon, Ben Affleck und Nicole Holofcener in einem großartigen Drehbuch verarbeitet, dass die Struktur des Films dreiteilt und die unterschiedlichen Wahrheiten und Wahrnehmungen der 3 Hauptcharaktere schildert. So mag das am Anfang etwas sprunghaft, holprig und redundant wirken, wenn zum Beispiel eine Sequenz mehrfach gezeigt wird, aber bedingt durch unterschiedliche Nuancen gerade die Wahrheit und Wahrnehmung damit verändert wird – ist das dann doch unproblematisch und funktioniert auch sehr gut in der Gesamtheit des Films. Klar sind hier die männlichen Darsteller mit Matt Damon, Adam Driver und auch Ben Affleck in einer interessanten Nebenrolle großartig besetzt, aber alle werden von Jodie Comer überstrahlt, deren nuanciertes Schauspiel eine regelrechte Tour de Force für ihren Charakter Marguerite de Carrouges offenlegt und sie auch der Star dieses Films ist. Zusammen mit ihrem großartigen Auftritt in „Free Guy“ ist Jodie Comer eine der ganz großen neuen Stars und Schauspielerinnen im Kinojahr 2021. Zum Film selbst möchte ich an dieser Stelle wieder zurückkehren und sagen, dass wir genau 2 richtig starke Sequenzen zu sehen bekommen. Die eine ist das namensgebende Duell, dass richtig körperlich, brutal und gut choreographiert inszeniert worden ist und auch die Schlüsselszene des Films ist wirklich intensiv und unangenehm inszeniert worden. Mir hat „The Last Duel“ sehr gefallen und ist auf jeden Fall eine Empfehlung von meiner Seite.
„The Last Duel “ - My First Look – 9/10 Punkte.