Kurz nach „Vampyros Lesbos“ drehte der umtriebige spanische Vielfilmer Jess Franco im Jahre 1971 einen weiteren Film mit Soledad Miranda in der Hauptrolle, den Erotik-Thriller „Sie tötete in Ekstase“ in spanisch-deutscher Koproduktion.
Dr. Johnson (Fred Williams, „Der Todesrächer von Soho“) nutzt menschliche Embryos für seine genetischen Experimente, woraufhin die Ärztekammer unter Leitung Dr. Donens (Jess Franco) ihm die Zulassung aberkennt. Das verkraftet Johnson nicht, er verfällt in Apathie und nimmt sich schließlich das Leben. Seine attraktive, ihn über alles liebende Frau (Soledad Miranda) schwört Rache an den verantwortlichen Ärzten und setzt dafür vor allem ihren Körper ein...
Mit „Sie tötete in Ekstase“ gelang Jess Franco ein überaus stylischer, poetischer Erotik-Thriller, der nicht nur die ebenso hübsche wie zeigefreudige Soledad Miranda stilsicher erotisch in Szene setzt, sondern auch markante Architektur in die Ästhetik des Films einbezieht. So schnell die Handlung auch erzählt ist, so erfreulich liebevoll und sorgfältig gestaltet Franco die Mordserie und hält damit das Interesse seines Publikums aufrecht. Fräulein Miranda umgibt die Aura einer leidenschaftlichen, fatalistischen Person, die alles, was sie nach dem Tod ihres geliebten Mannes noch hat – nämlich ihren Körper – in die Waagschale wirft und als Waffe einsetzt. Nach allen Regeln der Kunst verführt sie ihre Opfer, deren eintretende Willenlosigkeit angesichts Mirandas Attraktivität nachvollziehbar erscheint. Auf geradezu klassische Weise lässt Franco auf den Sündenfall den Tod unmittelbar folgen, was jedoch selten so schön inszeniert wurde wie hier. Er beweist, wie dicht beieinander Leidenschaft und Leid, Fortpflanzungspraktik und Tod, Schönheit und Verderben liegen können. Sein Racheengel bezirzt und umgarnt seine Opfer, bis diese sich fast willfährig ihrem Schicksal ergeben, aus Gelehrten Sklaven der Lust, auf die Triebe reduzierte Tiere werden, bereit, sich von der schwarzen Witwe fressen zu lassen. Eine kreative Kameraführung veredelt auch die dazwischen liegenden Momente, gestaltet sie spannend, ästhetisch und detailverliebt. Begleitet werden die todessehnsüchtigen, kontrastreichen Bilder von einem jazzig-loungigen, abwechslungsreichen und stimmigen Soundtrack Manfred Hüblers und Sigi Schwabs.
Doch natürlich ist auch diesmal bei Franco nicht alles Gold, was glänzt. Hinterfragt werden darf sicherlich, weshalb bei Dr. Johnsons Leiche offensichtlich keinerlei Verfallserscheinungen einsetzen, was die mutig angedeutete Nekrophilie sicherlich wesentlich unappetitlicher hätte erscheinen lassen. Auf Horst „Derrick“ Tappert in einer eigentlich vollkommen unbedeutenden Nebenrolle als Kommissar hätte man besser verzichtet, wenngleich besonders zu Beginn sein Gesicht in Großaufnahme dem Film zumindest kurzzeitig etwas zusätzlich Bizarres verleiht. Vor allem ist es aber das lächerliche Ende, das zur Abwertung führt (Achtung, Spoiler!): Mirandas angebliche Todesfahrt mit dem Auto sieht weder realistisch-tödlich noch spektakulär aus und wird in keiner Weise ausgekostet, sondern ruckzuck abgespult, als wäre das Filmmaterial ausgegangen – dabei hätte gerade ein Film wie dieser ein ergreifendes Finale verdient gehabt. Das ist schade und macht aus dem über weite Strecken überzeugenden, stets unmissverständlich exploitativem, jedoch nur selten trashigen Franco-Streifen eine dann doch etwas inkohärente Angelegenheit. Ansonsten wurde hier aber sehr viel mehr richtig als falsch gemacht und erwies sich „Sie tötete in Ekstatse“ als Wohltat, nachdem ich mich erst kürzlich mit Franco-Sondermüll wie „Oase der Zombies“ auseinandergesetzt hatte. Gute 6 von 10 zücke ich gern und bekräftige ein neu entflammtes Interesse am Œuvre Francos, zumindest was die Entdeckung der Perlen seiner unübersichtlichen Filmographie betrifft.