Review

Eine Lanze für die Rockmusik, ein gute Sache sollte man meinen, wenn man sich das Chartgewürm so betrachtet, was jetzt als populäre Musik allerorten aus den Empfängern quillt. Christina Aguilera, Limp Bizkit, Grönemeyer – das geht ja beinahe noch gegen das (untere) Ende des Laternenpfahls irgendwo zwischen Vanessa Juliette Catterfield (dasselbe genetische Material) und Xavier Naidoo (gar kein genetisches Material, eventuell zur Familie der Moose zugehörig).
Rock ist nicht mehr zeitgemäß, heißt jetzt zumeist New Metal (bitte nicht wörtlich nehmen) und wer über die breite Masse schwenkt, wird wirklich nicht auf Anhieb Leute finden, die mit Led Zeppelin oder Black Sabbath noch was anfangen können. Man muß schon danach suchen.
Jack Blacks Dewey Finn hat so ein Problem, denn der von ihm so heißgeliebte Rock ist nur noch was für mattentragende Hänger und eine richtige Rockwildsau will in der Leistungsgesellschaft niemand mehr sehen. Als die Geldnot schreit, greift er zur List und wird Aushilfslehrer, um bald aus einer Grundschulklasse eine Rockband zu formen.

Daß sich ausgerechnet Richard Linklater (Suburbia, Dazed and Confused) an so einem vorgeformten Stoff versucht hat, muß im Rockmusikreiz gelegen haben, denn man kennt tatsächlich schon jede Wendung, die der Film nimmt. Und in punkto Musikvorliebe hat man hier eine Menge hineininvestiert, so daß die kompetente Regie einen vergnüglichen Film zustande bringt.

Wohlgemerkt, vergnüglich!
Denn „School of Rock“ leidet (wie so viele Rockmusiker) beträchtlich unter einer echten Überdosis. Und zwar die in Form ihres Hauptdarstellers Jack Black.
Hat man diesen unersättlichen Zwitter aus Zappelphilipp und Krümelmonster erst mal von der Kette gelassen, kann der Kapitän gleich als erster von Bord. Black zieht ohne Pause vom Leder, albert, turnt, grimassiert, singt, schreit und reisst jede Szene an sich, egal ob das dem Film nützt oder nicht. Einiges davon ist echt lustig, der Rest jedoch wendet sich zielgenau an ein Publikum, das altermäßig dem Rest des Cast entgegenkommt und somit gerade die erste Teenageretappe nimmt.

Und das ist noch trauriger, wenn man sieht, was für ein talentiertes Völkchen an Jungdarsteller(innen) man da zusammengesucht hat. Doch kaum einer kommt dabei richtig zum Zug, allerhöchstens ein kurzes Aufglänzen neben Black ist da noch drin.
Immerhin spielt die Gruppe am Ende ein kompetentes Rockstück und zieht sich auch sonst musikalisch und spielerisch achtbar aus der Affäre.
Das hilft jedoch nichts, wenn der Protagonist leider einen grenzdebilen Ignoranten mit dem Feingefühl einer Panzerfaust darstellen muß, der sämtliche Klischees über Rocker nur zu dankbar bedient, da er schon mit den Grundrechenarten Probleme hat.

Auch mit der Botschaft ist es nicht weit her, denn einerseits will er den Kindern den Rock revolutionär-politisch verklären, aber selbst hat er nur seinen Spaß bei egoistischen Endlossolos, säuft sich öfters die Hucke voll und nassauert bei seinem Kumpel. Umgebende Rockmusiker sind alle relativ tumb (und an Waynes World orientiert) und die Jungs, die am Ende den Rockpreis abfegen, also wirklich moderne Rocker sind, werden wegwerfend dargestellt.

Der Musik ist hier also wenig gedient, aber immerhin wird eine Menge davon zumindest angespielt, doch abgesehen von dem durchgehend amüsanten Ton gibt es hier ungefähr so viele Überraschungen wie Punkriffs auf einem ABBA-Konzert. Der beste Gag resultiert dann auch auf den Bemühungen der Kinder, einen Bandnamen zu finden, die Black alle ablehnt (The Coalabears), bis die Kinder (natürlich in Gegenwart der Rektorin) „Pig Rectum“ vorschlagen.
Und obwohl es Skurilitätsbonus gibt, ist es nicht sonderlich geschickt, einen der Jungen, der sich als Designer der Band hervortun will, schon mit 10 Jahren als vermutlich stockschwul darzustellen, weil es mit dem Realitätsanspruch bricht.

Das Schlußkonzert ist es dann aber allemal wert und bringt eine mitreißende Rocknummer, doch die Fanreihen lichten sich mit fortschreitendem Alter. Immerhin, das bringt den Film über den Durchschnitt.
Und deswegen wird es auch weiterhin heißen: For those about to rock : play „This is Spinal Tap“ or „Waynes World“!
But the Kids are alright!

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