Mal schnell abhaken...
Remake...ist gebongt...Thema schon ein halbes Dutzend Mal verfilmt...check...kann nur von Disney sein...klar...du magst solche Körpertauschchosen überhaupt nicht...stimmt auffallend!
Warum, zum Teufel, hab ich mich gestern so gut amüsiert?
Gehen wir einen Schritt zurück. Ich hasse diese Filme wirklich.
Das Original von 1976, „Big“ mit Tom Hanks“, „Wie der Vater so der Sohn“ mit Dudley Moore, „Ich und er“, „Endlich wieder 18“ – alles dieselbe Sülze, nur dazu angetan, leidlich begabte Protagonisten in Fish-out-of-Water-Situationen zu bringen, die diese dann zur Verblüffung ihrer Umwelt irgendwie gebacken kriegen, angereichert mit Peinlichkeiten und Albernheiten jenseits jeder Schmerzgrenze.
Und „Freaky Friday“, Modell 2003, ist da erzählerisch keine Ausnahme. Geradezu klassisch kaut der Film sämtliche Plot-Wendungen aus alten Filmen wieder durch. Mutter und Tochter tauschen die Körper, die Teenagertochter muss plötzlich eine gefeierte Psychiaterin mimen, während sich die sonst straff durchorganisierte Dame plötzlich der wilden Welt der Teenager stellen muss, sei es in der Schule oder in der Rockband.
Chaotische Situationen gibt es natürlich, ein wenig Slapstick und reichlich Selbstlosigkeit bringt die Dinge im rechten Moment wieder ins Lot. Fertig ist die Laube oder der dröge Brei.
Aber, oh Wunder, nicht die Zutaten entscheiden, sondern der Koch.
Und siehe da, durch einen wohlüberlegten Besetzungscoup und inszenatorische Frische kann man ne Menge geradebiegen, was schon krummgerostet ist.
Zutat 1: man castet Jamie Lee Curtis als Mama. Die hat reichlich Erfahrung mit Komödien, guten wie schlechten, und deswegen kann sie mit Timing umgehen. Und mit Albernheiten.
Wenn man dann sieht, wie sie hier vom Leder zieht und die 15jährige nölig runterkaut, das ist die wahre Pracht, denn sie war schon im eigenen Körper nicht so spießig, dass es ranzig gerochen hätte.
Zutat 2: dagegen braucht man einen Teenager mit Profil, der nicht zu gebügelt und halbwegs frisch rüberkommt. Lindsay Lohan kann das bieten. In einer Mischung aus Grungeschick und Rockerattitüde, aber immer ganz Teenager spielt sie als Original sehr natürlich und später flotte Standards, wenn die Mama in ihr steckt.
Wenn man das zusammenrührt, muss man aufpassen, dass man es nicht zu stark erwärmt. Verbaler Humor, keine aufgesetzten Anbiederungen an Altersklassen, Peinlichkeiten nicht breittreten, sondern am Rand einstreuen, reichlich Blackouts, schräge Nebenfiguren.
Und dann: Tempo!
Ohja, der Film hat Tempo und das tut ihm gut. Selbst die Nebenfiguren agieren wie aufge-, aber nicht wie überdreht und ein Portion gut verteilter Charme weicht alles notwendigerweise auf, abgesehen von Mark Harmon, der sich seinen drögen Bräutigam mit einem „and“ in den Schlusstiteln extra versilbern ließ.
Der edle Schliff kommt aber aus einer Ecke, die man vielleicht gar nicht erwarten würde, denn "Freaky Friday“ ist angelegt wie eine große, ältere Simpson-Episode.
Absoluter Näherungspunkt (und Inspiration) ist die Figur des teilweise schwerhörigen Großvaters, der ständig „Erdbeben!“ schreiend aus dem Haus läuft, sobald am Tisch geruckelt wird. Wenn das nicht Live-Action-Abe-Simpson ist, dann weiß ich es auch nicht.
Aber auch sonst wirkt die Inszenierung wie die der kleinen, gelben Familie: die Mutter dezent überzeichnet, der kleine Bruder ein Bart im Taschenformat, die feindliche Schulkameradin ein schlüpfriges Biest, der fiese Lehrer passt zu Skinner und Konsorten wie die Faust aufs Auge, das Mädchen eine punkige Lisa, die nicht den rechten Anklang findet.
Und alle Szenen nicht ewig ausgespielt, sondern auf das witzige Zentrum hin zugespitzt und dann abgebrochen. Ein Auflachen und schon geht die wilde Fahrt weiter.
Natürlich kann man sich beschweren, man hätte die Grütze doch schon tausendmal gesehen und nichts könnte einen hier noch überraschen, aber es ist eben doch ausschlaggebend, wie ich etwas präsentiere und das hier ist erntefrisch. Ein kleiner, flotter Happen für zwischendurch, nicht sättigend, aber auch Fingerfood hat seine Reize. (8/10)