Review

Carrie 2 – The Rage

Vorsicht: Spoiler

Emily Bergl spielt Rachel Lang, die telekinetische Fähigkeiten hat. Der Film hat, außer dem Titel „Carrie 2“ und Telekinese, nicht viel mit dem ersten Teil gemeinsam, außer Army Irving als Sue Snell, die als Warnerin auftritt und vor den Gefahren warnt, die sich schon einmal in der „Prom Night“ ereignet haben.

Carrie 2 – The Rage ist im großen und ganzen gelungen, dann aber vor allem wegen des sentimentalen Inhalts und nicht der Anlehnung an den ersten Teil. „Wer würde sie lieben!“ meint entrüstet ein Mädchen, als sie von der Liebelei von Jesse (Jason London) mit Rachel erfährt. Dabei ist Emily Bergl, im Gegensatz zu Sissy Spacek wahrlich eine Schönheit, und das Gehänsel wirkt etwas aufgesetzt.

Trotzdem schafft es die Regisseurin Katt Shea, eine Melancholische Grundtendenz zu schaffen, die bis zum furiosen Finale (der FSK sei Dank!) anhält. So begeht eine Freundin Rachels Selbstmord, indem sie vom Dach springt, und effektvoll in der Windschutzscheibe des Wagens landet. Dazu spielt klassische Musik, die den Effekt noch verstärkt.

Der Film lebt jedoch von der klassischen Liebesgeschichte, die auch schon in Horrorfilmen wie „Return of the living dead 3“ das Nicht-Dazugehören zeigen, und eine Liebe, die von vornherein so aussichtslos erscheint, dass das blutige Finale vorprogrammiert scheint. So wie in ROTLD 3 oder Wolf Girl schildert der Film den Versuch, einen Menschen nach seinem Wunsch zu sehen oder zu erleben, was kläglich an der realen Welt der anderen scheitern muss.

So wie der Charakter der Julie Walker ihrem Freund, der sie vor dem Zugriff des Militärs retten will, weinend anbrüllt: „Ich kann nicht vorgeben, jemand zu sein, den du haben möchtest“, so ist in Carrie die Liebe zum Scheitern verurteilt, weil die Außenwelt Rachel von vornherein ablehnt und sie ausschließt. In Wolfgirl ist der Fall ähnlich, und erfindet der junge Freund von Wolf Girl eine Substanz, die den Haarausfall beschleunigt, aber dabei den Charakter verändert, und die Person gefährlich verändert.

Carrie 2 – The Rage schafft es, alle diese Komponenten zu kombinieren. Es ist einerseits das Nichtveränderkönnen einer Person, andererseits gibt es die Unfähigkeit, den anderen Loszulassen, also im weitesten Sinne sterben zu lassen. Wenn Rachel am Ende des von ihr telekinetisch angerichteten Massakers Gott anfleht, er möge sie erlösen, so ist dies die Bitte, den Zustand des Ausgeschlossenseins zu beenden, und so zur Ruhe zu kommen. Dabei spielt das Thema Liebe eine wichtige Rolle, es geht um Vertrauen und Sicherheit, und vor allem Loyalität. Rachel rettet Jesse das Leben, nachdem sie ihn, als letzten Beweiß ihrer Liebe, durch Telekinese ins Wasser schleudert, während sie selber im Feuer unter den Trümmern stirbt.

Vertrauen ist der Grundstein aller Liebe, und auch in Carrie 2 – The Rage, steht dieses Thema zentral. So ist der Auslöser für das Massaker am Ende nicht nur durch die Behandlung der Gäste Rachel gegenüber, sondern auch durch das Gefühl der völligen Isolierung, also auch von Jesse dargestellt. Hat er sie nur gebraucht, um seine Punkteliste aufzufüllen? Oder liebt er sie wirklich? Das schafft es der Film hervorragend rüberzubringen.

Die FSK ist mal wieder in die Vollen gegangen und hat Carrie 2 – The Rage ohne Schnibbelei durchgehen lassen. Das ist auch völlig richtig, da die Gewaltorgie am Ende keine Effekthascherei ist, sondern eher eine Katharsis, die auch dem Zuschauer als Kanalisation dient. Jeder, der in der Schule ohnmächtig mit ansehen musste, wie er oder ein anderen gepiesackt wurden, kann sich gut in die Hauptperson einfühlen, und die Schadenfreude über die Gewalt ist wohlverdient. Zwar sind einige Szenen heftig (Brillengläser bersten, Harpune durchs Gekröse), aber den Umständen angemessen.

Carrie 2 – The Rage hat ein hervorragendes Ende, dass sich wieder mit dem Loslassen beschäftigt. Rachel tritt durchs Fenster ein, und Jesse will sie umarmen, aber sie entschwindet (schön gruselig gemacht).

Fazit: Sehenswerter Grusler, der sich mit dem Thema Ausgeschlossensein, Liebe und Loslassen beschäftigt und als Extra noch eine Portion Blut bietet. Das Thema wirkt dabei nie voyeuristisch. Sehenswert.

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