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Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs findet sich eine Gruppe Heimkehrer in einem veränderten Wien wieder. Gesellschaftlicher Wandel, Orientierungslosigkeit und die fehlende Würdigung ihres Dienstes bestimmen die Zeit nach ihrer Ankunft. Der ehemalige Kriminalbeamte Perg wird dabei in die Ermittlungen einer Serie von grausamen Morden verwickelt.

Murathan Muslu spielt die zentrale Figur, den aus der Gefangenschaft heimkehrenden Peter Perg und ihm folgt der von Stefan Ruzowitzky inszenierte Spielfilm durch die Hauptstadt der neuen österreichischen Republik. Bemerkenswert ist hier die visuelle Präsentation, die stark an den Expressionismus der früheren deutschen Stummfilme erinnert, was wiederum in die Zeit passt, in welcher der Film spielt. Die Gebäude sind schief, innen wie außen, alles wirkt verschnörkelt und surreal. Die Stadt so fremd, in vielerlei Hinsicht also für die Wiederankömmlinge.
Zum großen Teil agiert das Ensemble vor dem Bluescreen, was von Anfang an für einen künstlichen Look sorgt, an den man sich erst gewöhnen muss. So ganz lösen konnte ich mich davon nie, daher wirkt „Hinterland“ weniger als Film, denn eher wie ein Theaterstück mit vielen Szenenwechseln. Das ist nicht grundfalsch und die Optik ist durchaus atmosphärisch, lässt ihre Herkunft allerdings nie unerwähnt.
Neben Muslu agieren u. a. noch Liv Lisa Fries, Max von der Groeben und Marc Limpach vor der Kamera. Die Figuren wirken allerdings oft hölzern und strotzen nicht gerade vor Tiefe. Vielleicht ist aber auch dies dem Szenenbild aus dem Rechner geschuldet, vor dem sie spielen müssen.

Visuell ist „Hinterland“ wie ein Experiment, inhaltlich eine nicht allzu spannend konstruierte Mörderjagd. Da hätte man mehr in die Geschichte investieren sollen. Trotz des Anreißens von Themen wie Neuorientierung oder dem Hadern mit den eigenen Taten bleibt der Film hier oberflächlich und ohne allzu ausgearbeitete Charaktere. Die künstliche Optik ist gewöhnungsbedürftig und doch in Teilen chic, unterm Strich solide erzählt, aber ohne einen Wow-Effekt.

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