Autor und Regisseur John Swab scheint fest mit den Krimi-Sagas der 80er und 90er verbunden zu sein, selbst Szenenübergänge und die Anwendung von Split Screen kommen regelrecht altbacken daher. Trotz einem überzeugenden Cast gelingt es ihm nicht, zwischen Heist-Movie und Familiendrama eine klare Linie zu finden.
Tulia, Oklahoma: Ida Walker (Melissa Leo) sitzt seit mehreren Jahren wegen diverser Delikte im Knast und ist unheilbar krank. Ihr Sohn Wyatt (Josh Hartnett) und dessen Onkel Dallas (Frank Grillo) waren jüngst an einem Raubüberfall beteiligt, bei dem Bundeseigentum gestohlen wurde, was das FBI (William Forsythe) auf den Plan ruft. Noch hegen die Nachkommen von Ida die Hoffnung, dass sie ihre letzten Tage in Freiheit verleben kann und setzen alle (kriminellen) Hebel in Bewegung…
Nach einem einigermaßen stimmig inszenierten Einstieg mit dem nächtlichen Überfall auf einen Transporter beschäftigt sich Swab lange Zeit mit der Frage, inwieweit kriminelle Gene vererbt werden oder ob Individuen mit ihrer Geburt direkt zum kriminellen Kreislauf zählen, was anhand der Teenagerin Darla (Sofia Hublitz) thematisiert wird, der Tochter eines örtlichen Polizisten, welcher wiederum mit einer Walker verheiratet ist und Wyatt als cooles Vorbild betrachtet. Als Darla mit einem etwa gleichaltrigen Poser anbandelt, wähnt man sich beinahe in einem anderen Film, der kaum mehr etwas von der anfänglichen Linie der kriminellen Brüder gemein hat.
So fühlt sich die Handlung phasenweise etwas verworren und gleichermaßen holprig an, zumal es an einigen Stellen an Hintergrundinformationen mangelt. Ida hat offenbar selbst im Knast noch alle Kanäle nach draußen offen, was angesichts der kranken Frau jedoch nie so recht durchschimmert. Auf der anderen Seite legen den Ermittlern bereits zahlreiche Indizien für die Teilnahme der Brüder beim Raub vor, doch sie lassen die Jungs aus unerfindlichen Gründen weiterhin gewähren. Vielleicht auch, damit es zum Finale zu einem weiteren Coup kommen kann, der zumindest dann noch ein wenig Spannung generiert.
Denn in Sachen Action und Suspense ist hier nicht viel mitzunehmen. Ein paar Schießereien mit blutigen Einschüssen, eine gemächliche Hatz durch Untergrundräume und zwei weitere bewaffnete Vorgänge sind alles, was die Mixtur auf Dauer zu bieten hat. Stattdessen werden zahlreiche Figuren eingebunden, welche die Geschichte unnötig aufblähen, aber nicht zum Fortschritt beitragen. Doch auch in Sachen Charakterdrama geht der Stoff nie in die Tiefe.
Es ist in erster Linie dem zurückhaltenden Spiel von Hartnett und dem entsprechenden Aufdrehen von Grillo als Soziopath zu verdanken, dass einige wenige Szenen vage in Erinnerung bleiben mögen. Melissa Leo hat in den vergleichsweise wenigen Momenten als Titelfigur eher wenig zu tun, während Forsythe als Kaugummi kauender FBI-Greis deutlich zu klischeehaft rüberkommt. Sofia Hublitz geht zwar nicht mehr als 15jährige durch, sie performt jedoch überraschend nuanciert. Deborah Ann Woll wird in einer Nebenrolle indes komplett verheizt.
Am Ende wirken die 111 Minuten wie ein Zusammenschnitt unzähliger Vorbilder, denen letztlich das Alleinstellungsmerkmal und somit die Substanz fehlen. Die durchweg überzeugenden Mimen, der passabel antreibende Score und die taugliche Optik gleichen noch etwas aus, doch die unausgewogene Erzählung fördert zu wenig Spannung oder gar Intensität zutage.
4,5 von 10