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Fußballer zählen allgemein hin zu der Berufsgruppe, der man außerhalb des Spielfeldes eher weniger Kreativität zutraut. Eine Ausnahme kann eigentlich nur aus Island stammen, denn der hiesige Nationaltorhüter Hannes Þór Halldórsson ist bereits seit einigen Jahren als Werbefilmer unterwegs und hat mit vorliegender Action-Parodie seinen ersten, abendfüllenden Spielfilm realisiert.

Bússi (Auðunn Blöndal) gilt als der härteste Cop in Reykjavik, der sich soeben mit einer Reihe von Banküberfällen beschäftigt, bei denen offenbar nichts gestohlen wurde. Mit seinem neuen Partner Hörður (Egill Einarsson), dessen gelackte Art Bússi zunächst überhaupt nicht zusagt, verbindet ihn mit der Zeit mehr, als er sich eigentlich zugestehen mag…

Der 1984 geborene Regisseur kennt sich natürlich mit den Actionern der 80er und 90er gut aus und nicht selten erinnern Szenen an Genrebeiträge wie „Bad Boys“. An anderer Stelle wird „Stirb Langsam 3“ sogar augenzwinkernd erwähnt, da einige Parallelen zur Handlung augenscheinlich sind. Das Treiben um den leicht psychopathisch anmutenden Antagonisten ist zwar leicht zu durchschauen und diesbezüglich bröckelt die Logik dahinter zusehends auf, doch der Fokus ist, neben einigen Actioneinlagen, eher auf das ungleiche Polizistenduo gerichtet.

Bússi ist der Proll, der direkt nach dem Wachwerden zum Heiermann greift, zudem Tabletten schluckt und auch mal Zivilistenleben aufs Spiel setzt, um an diverse Schandbuben heranzukommen, oder besser gesagt, sie gleich an Ort und Stelle zu erschießen.
Hörður handelt im Dienst zwar ähnlich fragwürdig, tritt allerdings als Anzugträger und Sunnyboy in Erscheinung, spricht nach eigenen Angaben 15 Sprachen und bezeichnet sich als pansexuell. Was da zwischen den beiden geht, mag man sich zwar früh ausmalen, doch es lockert die vertrauten Verläufe des konventionellen Buddymovies durchaus auf.

Während einige Situationen regelmäßig mit Stereotypen brechen oder Klischees bewusst über Gebühr strapazieren, kommen auch einige Nebenfiguren nicht zu kurz, denen gegen Ende teils wichtige Funktionen zuteil werden, zumal das Heldenduo eben doch zuweilen auf Hilfe Dritter angewiesen ist.
Die dazugehörige Action ist weitgehend solide inszeniert, nur bei den wenigen Spezialeffekten wie Explosionen sind deutliche Abstriche zu machen und auch bei einigen blutigen Einschüssen kristallisiert sich sogleich die Verwendung schwacher CGI heraus.

Insgesamt ist die Gagdichte zwar nicht sonderlich hoch und es werden mehr Schmunzler denn Lacher generiert, doch das Herzblut ist der Produktion oft anzumerken, nicht zuletzt aufgrund der sichtlichen Spielfreude der meisten Mimen und des angenehm flotten Erzählflusses ohne sonderliche Schnörkel. Zwar generiert die Geschichte eher selten Spannung und noch weniger Überraschungen, mal abgesehen von einem Reykjavik als Metropole mit Wolkenkratzern, doch genügend Kurzweil ist für Genrefans gegeben.
6,5 von 10

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