iHaveCNit: Niemand ist bei den Kälbern (2022) – Sabrina Sarabi – Filmwelt
Deutscher Kinostart: 20.01.2022
gesehen am 29.01.2022
Kinocenter Gießen – Manhattan – Reihe 9, Platz 5 – 17:00 Uhr
Für den filmischen Abschluss des Januars 2022 wollte ich mir noch „Niemand ist bei den Kälbern“ ansehen und habe dafür sogar meine örtliche Komfortzone etwas verlassen, indem ich auch mangels passender Angebote meiner Kinos vor Ort auf ein Kino weiter außerhalb ausgewichen bin. Einfach mal raus, etwas Neues und Unbekanntes wagen ist durchaus auch ein Thema, dem sich „Niemand ist bei den Kälbern“ von Sabrina Sarabi annimmt und für den sich der Aufwand doch schon in gewisser Art und Weise gelohnt hat.
Die junge Christin lebt bei ihrem Freund Jan und dessen Eltern auf deren Bauernhof und hat bis auf die Pflege der dortigen Kühe und Kälber eigentlich die Arbeit und das dortige Leben satt. Einzige Lichtblicke scheinen ihre Anziehung zum Techniker Karl als auch die gemeinsamen Party-Abende mit ihrer Freundin Caro zu sein, die ihren Wunsch auszubrechen und etwas neues zu wagen immer stärker zum Vorschein kommen lassen.
In einer sommerlichen Atmosphäre gibt uns Regisseurin Sabrina Sarabi bei ihrer Inszenierung wenig an die Hand. Sie lässt uns dicht am Leben von Christin teilhaben und viele Situationen beobachten. Saskia Rosendahls stille, mit wenigen Dialogen geprägte Darstellung der Christin lässt Blicke und Ausdrücke für sich sprechen. In dem nicht ausgesprochenen und nur angedeuteten lässt sich viel ablesen. Von Langeweile, von Faszination, von Anwiderung und auch dem Aufbegehren danach einfach auszubrechen und auf sich aufmerksam zu machen. Gerade eben ihr damit einhergehendes freizügiges Auftreten sorgt jedoch bei einigen in ihrem Umfeld für sehr ablehnenden, teils misogynen Argwohn. Der Film zeichnet hier durchaus auch unangenehme und harte Situationen und er skizziert die Ausweglosigkeit und Langeweile eines Lebens in der Provinz und den traditionellen Strukturen einer Arbeit in der Landwirtschaft – die hier entromantisiert wird. Loslassen und zurück lassen – wenn man sonst nichts anderes kennt und kann – ist ein sehr schwieriges Thema, dass hier auch unterschwellig verhandelt wird. Insgesamt ein sehr interessanter und sehenswerter Film.
„Niemand ist bei den Kälbern“ - My First Look – 8/10 Punkte.