Auch wenn bei „Ringo kommt zurück“ ein paar wirklich erfahrene und fähige Männer am Werk waren, kommt er nicht über einen soliden Genrebeitrag hinaus. Die spanisch-italienische Koproduktion wurde vom späteren „Zorro“ – Regisseur Duccio Tessari, der im gleichen Jahr mit identischer Crew auch „Eine Pistole für Ringo“ herunterkurbelte, routiniert inszeniert, verdient seine Aufmerksamkeit jedoch eher durch Ennio Morricones („Spiel mir das Lied vom Tod“, „The Thing“) eindringlichen, später leider nachlassenden Score, der zwar nicht zu seinen Glanzkompositionen zählt, jedoch trotzdem immer noch in seiner eigenen Welt spielt und selbstverständlich Italo-Ikone Giuliano Gemma. Nach etlichen Abenteuerfilmen war „Ringo kommt zurück“ eine seiner ersten Westernstationen. Der später als Terence Hills Ersatz an der Seite von Bud Spencer scheiternde Schauspieler, verfügt hier über das nötige Charisma, um den einsamen, schweigsamen Rächer glaubhaft zu verkörpern.
Denn der kehrt, und damit reiht sich der Film in die unendliche Reihe ähnlich gestrickter Spaghettiwestern ein, in seine Heimatstadt zurück und findet diese reichlich verändert fort. Immerhin variierten die Autoren das Thema etwas, indem sie Ringo (Muss nach Django der beliebteste Männername damals gewesen sein *gg*) inkognito zurück reisen lassen. Der nach dem Ende des Bürgerkriegs für tot gehaltene Ehemann und Soldat will sich zunächst einen Überblick der Lage verschaffen und kehrt deswegen als verlumpter Mexikaner mit schwarz gefärbten Haaren ein.
Wer hätte es anders erwartet, das texanische Kaff liegt nah an der mexikanischen Grenze, hat gewaltig unter den sich dort breit machenden und die Bewohner unter ihre Knute zwingenden Paco Fuentes (George Martin) und Esteban (Fernando Sancho, auch ein im Genre groß gewordener Darsteller, u.a. „Der Gehetzte der Sierra Madre“) zu leiden, weil im ausgedünnten Ort aufgrund des Krieges niemand zurückgeblieben ist, der ihrem Treiben Einhalt gebieten könnte. Bleibt die Drecksarbeit also an Ringo hängen.
Bis der nun aber losschlägt, vergeht fast eine Stunde, doch die ist mit Abstrichen überraschend genießbar. Der die schiefe Lage peilende Tarnmexikaner, kommt als Helfer des kauzigen Blumenverkäufers unter und muss feststellen, dass der Sheriff ein kranker Säufer ist und zu allem Überfluss seine Frau nebst Nachwuchs inzwischen bei den tyrannischen Mexikanern eingezogen ist – allerdings glücklicherweise nur unter Zwang. Zwar hegt das tyrannische Duo schon bald Verdacht, dass mit dem Fremden etwas nicht stimmt, begnügen sich jedoch damit ihn als Dieb abstempeln, verprügeln und -stümmeln zu können.
Die ersten zwei Drittel gleichem eher einem Westerndrama, geschossen wird nicht, dafür muss der durch den Krieg ohnehin nicht im besten Gemütszustand befindliche Ringo eine Hiobsbotschaft nach der anderen hinnehmen – unterstrichen von den tollen, chorälen Klängen Morricones. Auffällig ist hier mehrmals die vorzügliche Kameraarbeit mit langen Takes und einer sehr dynamischen Kameraführung.
Erst als sich Ringo seiner Frau offenbart, die ihn dann ins Gewissen redet, dass er die Stadt doch retten möge (Ich hätte mit meiner Familie wohl eher das Weite gesucht, aber die Italohelden sind ja auch aus anderem Holz geschnitzt), kommt im wahrsten Sinn der Wörter frischer Wind in die Angelegenheit. Mit Ringos Neuanordnung seiner Ziele wird der Film symbolisch von einem sandigen Wüstensturm heimgesucht, der Tessari auf ein paar exzellente Ideen (der in der Kirchentür nur als schattige Kontur zu sehende Ringo) bringt.
Der Rest ist dann wieder Standardware. Die vorher kennen gelernten, wenn auch nicht unbedingt brauchbaren Figuren wie Sheriff und Blumenhändler ziehen mit ihm gegen die zahlenmäßig klar überlegende Mexikanerbande, rehabilitieren sich oder sterben den Heldentod, jagen das Gesindel jedoch aus der Stadt.
Damit verläuft „Ringo kommt zurück“ in geordneten Bahnen, ohne einen Ausfall darzustellen oder zu einem Highlight zu gereichen. Dafür hat man dieses Konstrukt einfach schon zu oft in der Genreverwandtschaft bewundern dürfen. Einen Pluspunkt heimst aber Duccio Tessari für seine mitunter wirklich tolle und alles andere als dem Durchschnitt entsprechende Inszenierung ein.
Fazit:
Ordentlicher Genrebeitrag, der innerhalb des Italowesterns mit seinem einfach zu oft präsentem Thema zu kämpfen hat, ansonsten jedoch dank seiner ungewohnten Ruhe (bis zur 60. Minute gibt es eigentlich keine ernsthafte Schießerei) auf sich aufmerksam macht. Weil hier vor und hinter der Kamera zudem etablierte Kräfte beteiligt waren, kann der Westernfan durchaus einen Blick riskieren, denn auch in diesem Genre waren solide Beiträge längst keine Selbstverständlichkeit.