Nach dem Erfolg von "Una pistola per Ringo" (Eine Pistole für Ringo) im Frühjahr 1965, begann für Giuliano Gemma - zuerst noch unter dem Pseudonym Montgomery Wood - eine Hochphase als Hauptakteur im noch jungen Italo-Western-Genre. Im selben Jahr drehte er mit "Un dollaro bucato" (Ein Loch im Dollar) und "Adiós Gringo" zwei weitere Western, weshalb es nahe lag, auch mit Regisseur Duccio Tessari erneut die Erfolgsformel zu bemühen. Entsprechend entstand "Il ritorno di Ringo" (Ringo kommt zurück) mit dem beinahe identischen Team, außer das für Alfonso Balcázar diesmal Fernando Di Leo als Co-Autor fungierte, der später mit diversen Polizieschi ("Mafia-Trilogie") bekannt werden sollte.
Auch der Titel deutete auf eine unmittelbare Fortsetzung hin, weshalb es überrascht, dass beide "Ringo"-Filme sowohl in ihrer storytechnischen Anlage, als auch den Charakterisierungen wenig gemeinsam haben. Angesichts moderner Marketing-Strategien, die einem Erfolgsfilm schnell ein ähnliches Konzept folgen lassen, wirkt diese Eigenständigkeit bemerkenswert, deutet aber eher darauf hin, dass sich die dramatisch, düstere Sichtweise im Italo-Western zunehmend durchzusetzen begann, während "Una pistola per Ringo" noch dank seines ironisch, lässigen Charakters überzeugt hatte. Dass die Marketing-Regeln auch schon Mitte der 60er Jahre galten, wird an der Verwendung des Namens "Ringo" im Originaltitel deutlich, obwohl sich Gemma hier Montgomery Brown nennt und nichts mehr auf den originalen Ringo hinweist. Seine ernste Rolle als heimkehrender Soldat aus dem Bürgerkrieg ähnelt mehr seiner Hauptfigur in "Un dollaro bucato", der zwischen den beiden „Ringo“-Filmen entstand. Erst in „Arizona Colt“ (1966) sollte Gemma wieder den Typus des smarten Revolverhelden aufgreifen.
Ringo erwähnt in „Una pistola per Ringo“ einmal, dass er im Bürgerkrieg zuerst bei den Südstaaten gekämpft hätte, später dann aber zum Norden gewechselt wäre, als sich deren Sieg abzeichnete. Von diesem egoistischen, immer auf den eigenen Vorteil bedachten Charakter, der auch die Hauptakteure in Leones „Dollar-Trilogie“ auszeichnete, ist Montgomery Brown meilenweit entfernt. Giuliano Gemma spielt ihn als desillusionierten Offizier, der erfahren muss, dass sein nahe der mexikanisch/us-amerikanischen Grenze gelegener Heimatort inzwischen von einer mexikanischen Gangsterbande kontrolliert wird. Und das seine Frau Helen (Lorella De Luca), die seit Jahren nichts mehr von ihm gehört hatte, mit einem der zwei Anführer, Paco Fuentes (George Martin), im Haus seines zuvor ermordeten Vaters zusammen lebt. Im Vergleich zu dem hedonistischen Ringo, der sich nur dank guter Bezahlung von außen einmischte, hätte Tessari weder seinen Protagonisten, noch dessen Situation gegensätzlicher entwerfen können. Einzig Browns Fähigkeiten mit dem Revolver weisen Parallelen auf, aber um ihn herum entwickelte Tessari ein klassisches Drama um Verlust und Sühne.
Dass sich daraus kein typisches Western-Drama us-amerikanischer Prägung entwickelte, lag weniger an Fernando Sancho, der den zweiten Anführer der Banditen, Pacos Bruder Esteban, gewohnt direkt (in diesem Fall aber sehr elegant gekleidet) gab, noch an der dreckigen Optik des Ortes oder daran, dass „Il ritorno di Ringo“ im letzten Drittel die Erwartungen an umfangreiche Schusswechsel erfüllte, sondern an einem inszenatorischen Trick, mit dem Tessari Gemma die Möglichkeit gab, auch seine lässigen Seiten auszuspielen. Unabhängig davon, wie glaubwürdig eine solche Verkleidung tatsächlich ist, kann Gemma als mexikanischer Landarbeiter, als der er die Situation im Ort erkunden will, freier agieren. Nur unbewaffnet und als Mexikaner hat er eine Chance, von den Esteban-Brüdern und ihren Männern nicht sofort erschossen zu werden, muss sich aber einige Erniedrigungen gefallen lassen. Vor allem sein Zusammenspiel mit dem Totengräber (Manuel Muñiz), der sich gleichzeitig als Blumenliebhaber entpuppt, dem meist betrunkenen Sheriff (Antonio Casas) und der schönen Rosita (Nieves Navarro), ermöglicht Gemma die Differenzierung seiner Figur.
Nieves Navarro, die schon in „Una pistola per Ringo“ als weibliches Bandenmitglied die interessantere Frauenrolle innehatte, steht hier zwischen Fernando Sancho und Giuliano Gemma, dem zunehmend ihre Gunst gehört. Als Mexikaner kann sich Gemma den Flirt mit Dolores noch leisten, aber als guter amerikanischer Ehemann, der zudem feststellen muss, dass er während seiner Abwesenheit Vater der kleinen blonden Elisabeth wurde, steht er natürlich zu seiner Angetrauten, obwohl deren Rolle als Verlobte Paco Estebans, der die Hochzeit mit ihr energisch vorantreibt, auch nicht eindeutig ist. Leider deutet „Il ritorno di Ringo“ - im Gegensatz zu seinem konsequenteren Vorgänger - diese damals gewagten Konstellationen nur an, bleibt letztlich aber konventionell in seinem Familienbild, auch wenn die am Ende auf einem Esel davon reitende Dolores als Anspielung darauf zu verstehen ist, was hätte sein können. Trotzdem verfällt der Film nicht in Sentimentalitäten, was der straffen Inszenierung Tessaris zu verdanken ist, dem trotz aller Dramatik lockeren Spiel von Giuliano Gemma und der Musik von Ennio Morricone. Besonders der Moment, in dem Brown erkennt, dass er eine Tochter hat, gelingt es Morricone mit einer atonalen Begleitung, dessen Gefühle ohne Kitsch wiederzugeben.
„Il ritorno di Ringo“ hätte ähnlich wie „Una pistola per Ringo“ stilbildend für das Genre werden können, was an einigen originellen Details deutlich wird. Doch die Story ist in ihrer dramatischen Anlage zu vorhersehbar, Giuliano Gemma als vorgetäuschter Mexikaner überzeugender als als seriöser Familienvater und dem abschließenden Showdown fehlen die überraschenden Momente. Dass „Il ritorno di Ringo“ trotzdem populärer als sein Vorgänger wurde, lässt erkennen, dass sich Duccio Tessari geschickt an der damaligen Erwartungshaltung des Publikums an einen Italo-Western orientierte - auch heute fügt er sich in das gewohnte Bild des Genres ein, ragt aber nur in wenigen Augenblicken darüber hinaus (6,5/10)