Zuweilen reicht es aus, so etwas wie Verlässlichkeit serviert zu bekommen, sofern sie denn einigermaßen ansehnlich inszeniert ist. So geht man bei Mysteryhorror aus Thailand natürlich von einem schwarzhaarigen Geisterdämon aus, der in regelmäßigen Abständen einen Großteil der Figuren erschreckt, was in einer erwartbaren Auflösung mündet. Hinsichtlich der Regiearbeit von Lee Thongkham: So weit, so falsch.
Joy (Ploy Sornarin) arbeitet neuerdings als Dienstmädchen in einem prunkvollen Herrenhaus bei einer reichen Familie, deren kleine Tochter krank ist und deshalb nie das Haus verlassen darf. Joy erfährt von dem plötzlichen Verschwinden eines früheren Dienstmädchens und folgt einigen Spuren, bis sich Geistererscheinungen und Visionen mehren und eine schreckliche Erkenntnis reift…
Die Ausstattung mutet ein wenig irritierend an, denn weite Teile der Requisiten lassen auf die 30er schließen wie ein Oldtimer oder ein nostalgisches Telefon, auf der anderen Seite benutzt eines der Dienstmädchen in der Küche ein Smartphone, während Joy in einem Flashback eher zeitgenössisch statt in Dienstkleidung auftritt. Ebenfalls mit Fragezeichen versehen sind Teile der Exposition, bei der eine Art Dämonenaffe in Erscheinung tritt, welcher danach rein gar keine Rolle mehr spielt.
Es dauert eine Weile, bis man mit Joy einigermaßen warm wird, was nicht zuletzt an ihrem überwiegend dekadent erscheinenden Umfeld liegen mag, denn gnädige Frau und gnädiger Herr entfalten sich beileibe nicht als Kumpel zum Pferdestehlen. Unterteilt in drei Kapitel, gehört den ersten beiden der Spuk und die damit verbundene Erscheinung, welche durchaus für einige jump scares zuständig ist, auch mal mit dem Genick knackt und einige Male mit stakkatoähnlichen Bewegungen durchs Bild hastet.
Das finale Kapitel stellt nicht gänzlich abrupt, aber doch mit raschem Übergang einen Bruch zum Vorangegangenen dar, über welches im Detail nichts verraten werden soll. Trotz oder gerade aufgrund der veränderten Gangart wirkt der Stoff wie aus einem Guss, wozu auch das verstärkte Spiel mit Farben wie Weiß und Rot sehr gut passt.
Erst jetzt offenbart sich die Wandlungsfähigkeit von Hauptdarstellerin Sornarin, die das Geschehen überdies lange Zeit in eine jeweils bestimmte Richtung lenkt.
Positiv fällt auch der ordentlich ausbaldowerte Score aus, der mit einigen hübsch arrangierten und teils markanten Melodien aufzuwarten weiß. Zudem arbeitet die Kamera recht versiert und sorgt im eher gemächlichen Mittelteil für einige schicke Kompositionen, während sämtliche Spezialeffekte auf CGI verzichten.
Wähnt sich der geneigte Zuschauer in der ersten Stunde noch im Sammelsurium typisch asiatischer Geisterklischees, lohnt sich das Warten auf jeden Fall, da der Showdown in eine eher unerwartete Richtung tendiert, was die Sichtung bereits lohnenswert gestaltet.
7 von 10