Sensationsversprechende Filmtitel gehören zur Geschichte des italienischen Genrekinos dazu wie übertriebene Gewaltdarstellung, wohlige Sex und zimmertemperierter J & B - Whiskey: Jeder weiß gleich, was geschossen wird, wenn Wiedergänger am Seilende baumeln und der schwarzbelederte Tod durch die Gassen Roms rast. Bei "Sonne, Sand und heiße Schenkel" hingegen könnte es sich zwischen lusttropfender Sexkomödie und emanuelleskem Softcoredramulett um alles erdenkliche handeln.
Der genannte Film ist beides und dabei stellenweise recht gelbstichig, wenn auch nicht so, dass dem Giallopuristen das Klappmesser in der Hose aufgeht. Darüberhinaus wird hier eine emotionale Kernschmelze tschernobilschen Ausmaßes dokumentiert, an deren Ende alle Hauptakteure grinsend in den Reaktor springen, alles ausgelöst durch die leidlich bis unbekleideten Schandtaten einer postpubertären Oberschulgöre, die ganz schön freudsche Krallen ausfährt, um die Ordnung an Heim und Herd wieder herzustellen.
Besagte Frischabiturientin, Angela, behagt das neue Stiefmütterlein an Papas Seite nämlich so gar nicht, sieht sie doch ihre neu gewonnene Freiheit und Vatis Kontostand durch Regeln und eventuell resultierende Stiefgeschwister gefährdet, die es zu babysitter gilt. Sorgen um ungeleerte Eier also, aber dennoch ein Umstand, wegen dem die junge Studentin in spe sich regelmäßig bei ihrem Bettgenossen Sandro ausheult.
Der wird dann aus gleich als lusttropfender Komplize rekrutiert, der dabei helfen soll, die neue Stiefmutti wieder zurück ins Märchenreich zu scheuchen, obwohl besagte, die weltgewandte Irene, ilund sie fast schon auf der selben Welle schwimmen. Dennoch: was muss, das muss und so erdenkt Angela sich stets neue Spinnereien, die am Ende mal mehr oder weniger aufgehen und ist sich spät im Film nicht als mehr zu schade dafür, Irenes Bisexualität als Waffe gegen sie einzusetzen und sie mittels Erpresserfotos die Abwärtsspirale der internalisierten Homophobie herabzuschubsen. Was folgt ist ein dramatisches Ende, dass nicht nur Angela wie einen begossenen Pudel zurück lässt und das auch nicht nur wegen des Regens.
Eine harte, aber kurzweilige Weichkernpackung von Film. Für meinen Geschmack hätten die Gelbtöne Angela eigener Verrohung sowie ihrer Psychospielchen noch etwas besser ausgearbeitet werden können, ansonsten hat mich der Ton des Filmes aber überzeugt. Schade nur, dass dieser trotz aller optischen Freuden (das sind für mich vor allem schicke Kameraperspektiven wunderhübscher Szrandkulissen - okay, zugegeben, Guida und Lassander im Evaskostulüm tragen auch zum Genuss bei) die genretypischen Längen nicht ganz vermeidbar sind, die sich aber in Grenzen halten.
Der Film balanciert zwischen Leichtigkeit, Schwere und Irrsinn hin und her und der Zuschauer schwankt in der prallen Sonne Italiens mit. "Wenn der Nacktfrosch zum Angriff springt" könnte man diesen Film auch nennen, denn genau darauf hüpft unsere Gloria hin und hinterlässt den fassungslos Kinosaal mit einer Erkenntnis: Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünscht.
An der Stelle sei der großartigen Filmcommunity "Deliria Italiano" gedankt, auf deren diesjährigen Forentreffen ich dieses Kleinod entdecken durfte. Dank euch werden die wenigen Softsexler in meiner Sammlung bald einen neuen Schrankgenossen bekommen, wenn auch weit hinten, wo zukünftige Lebensgefährtinnen zumindest bei ersten Date nicht suchen werden.