Review

Der Titel ist mal eine Ansage und weist, nicht nur auf wörtlicher Zusammensetzung, einige Parallelen zum Überraschungshit „Get Out“ auf. Wenn Schutzsuchende auf Terror treffen, sind gesellschaftskritische Anleihen nicht weit und Langfilmdebütant Santiago Menghini versteht es vortrefflich, die hilflose Grundsituation der Hauptfigur mit einem etwas zu ausladenden Vorlauf auf den Punkt zu bringen.

Ambar (Cristina Rodlo) ist eine illegale Einwanderin, die es nach Ohio verschlagen hat. In einer Textilfabrik arbeitet sie unter harten Bedingungen und ist froh, in einem heruntergekommenen Apartmenthaus eine Bleibe gefunden zu haben. Doch nicht nur ihr Vermieter Red (Marc Menchaca) und dessen Bruder Becker (David Figlioli) verhalten sich sonderbar. Als Ambars Visionen zunehmen, sieht sie sich einer tödlichen Gefahr ausgesetzt, die ihr nahe legt, das Gebäude möglichst rasch zu verlassen…

Endlich mal weg von der vermeintlich heilen Welt und dem jungen Paar mit Kind auf dem Weg in ein neues Eigenheim. Ambar ist quasi mittellos, benötigt dringend einen Ausweis und kennt in ihrem Umkreis kaum jemanden, zumindest niemandem, dem sie wirklich vertrauen kann. Menghini lässt sich Zeit, das Umfeld der Protagonistin zu skizzieren, einschließlich dem Umstand einer kranken Mutter und der Tatsache, dass ihre düstere Unterkunft wohl kaum die Kaution wert ist, die sie zuvor berappen musste.

Zunächst bedient sich die Geschichte einiger Spukhauskonventionen, denn schweigende Gestalten im Hintergrund einer Szenerie sind ebenso vertraut wie undefinierbare Geräusche aus anderen Etagen. Wobei ein Gitter im Fußboden mit Blick auf die darunter liegende Wohnung schon arg befremdlich anmutet. Erst langsam ergeben sich vage Querverbindungen mit einigen Diaausschnitten, die während der Exposition archäologische Unternehmungen dokumentieren, während eine Reliefbox aus Stein ein wiederkehrendes Element zu sein scheint.

Dabei weicht die Erzählung Ambar nicht von der Seite und nimmt im letzten Drittel zunehmend an Fahrt auf. Die Situation wird bedrohlicher und es tun sich einige unerwartet harte Gewaltspitzen auf, während Menghini, seines Zeichen mit soliden Erfahrungen im Bereich Spezialeffekte ausgestattet, eine Kreatur bemüht, die den alptraumhaften Ausgeburten eines del Toro ähnlich sieht und durchaus etwas hermacht.

Obgleich die Motivation des Bösen etwas unterbelichtet bleibt und letztlich einige Fragen unbeantwortet bleiben, kann sich das Regiedebüt sehen lassen, was nicht zuletzt an der treffenden Besetzung und den überdurchschnittlich guten Darstellerleistungen, allen voran Cristina Rodlo liegt. Handwerklich ist wenig anzukreiden, atmosphärische Momentaufnahmen wie in einem öffentlichen Verkehrsmittel bei Nacht oder einer einsamen Gasse mit auffallend vielen Motten bleiben durchaus hängen und so dürften Spukhausfreunde insgesamt durchaus auf ihre Kosten kommen.
Knapp
7 von 10

Details
Ähnliche Filme