Fernando Meirelles preisgekrönter Film "City of God" erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der als Fotograf das Leben in den Armenvierteln von Rio de Janeiro aufzeichnet. Viele Lobeshymnen und nahezu nur gute Kritiken waren des Resultat des hochbewegenden Films. Doch nicht nur in Rio gibt es solche Armenviertel, überall auf der Welt gravieren solche unbeachteten Ecken in den Städten. Vor allem auch in Amerika, deren, vorzüglich durch schwarzhäutige Mitmenschen besetzte, Ghettos meist ein sehr kriminelles und trübes Leben bieten. Und in so einem Viertel ist vor einiger Zeit ebenfalls eine ähnliche Geschichte passiert, wie in "City of God". Und diese Geschichte wurde mit "Unser Amerika" packend und tiefgehend verfilmt.
"Unser Amerika" erzählt die Geschichte zweier Kids aus dem Ghetto, die eigentlich nicht viel vom Leben zu erwarten haben. Um ihnen herum grassiert die Gewalt und die Armut, die das Leben kaum lebenswert machen. Eines Tages erhalten sie aber die Chance, für einen Radiosender, und deren weißen Produzenten Dave, eine Story über ihr Leben zu machen. Also greifen sie zum Mikrofon und zeichnen das Leben des Ghettos auf. Doch dies soll nicht ihre einzige Story bleiben. Auch wenn der Film Ähnlichkeiten zu "City of God" aufweist, so ist diese, wirklich passierte, Geschichte keineswegs ein Plagiat des großen Films, sondern erzählt eine ganz eigenständige, tief bewegende und vollkommen realistisch abgezeichnete Story, um das Leben in den Armenvierteln von Amerika. Das Leben wird einem nah gebracht, ohne Verschönigungen und ohne Übertreibungen. Das Skript ist hieb und stichfest und in jeder Hinsicht erfolgreich in seinem Ziel, den Menschen die Augen gegenüber den Ghettos zu öffnen. Auf jedenfall ein Skript, dass durchaus Kinoreif wäre.
Dabei wurde der Streifen eigentlich in zwei Hälften aufgeteilt. Die erste Hälfte erzählt von der, schon erwähnten, Aufzeichnung des Leben in den schwarzen Armenvierteln. Es herrscht Gewalt, es wird von tiefer Armut erzählt und den Menschen die dort leben. Einige von ihnen versuchen herauszukommen aus dieser Situation, sowie die beiden Jungs Lloyd und LeAlan, von denen der Film erzählt und es gibt die Menschen, die sich schon lange mit diesem Leben abgefunden haben. Auf ruhige aber bestimmte Art und Weise sehen wir dabei zu, wie die Beiden ihren Job bekommen, wie sie ihre Geschichte aufzeichnen und was die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Radio-Ausstrahlung sind. Zu keinem Moment überzogen und wirklich tiefbewegend, ist das Interesse und das Mitfühlen des Zuschauers eigentlich unentwegt präsent.
Die letzten 40 Minuten erzählen dann von den beiden Jungs und wie sie einen Fall untersuchen, bei dem ein fünf Jähriger Junge von zwei Teenagern aus dem Fenster geschmissen wurde und wie es dazu kommen konnte. Sie merken wie schwer sensibler Journalismus bei so einem heiklen Thema ist und haben alle Hände voll zu tun, die wahren Hintergründe aufzudecken. Und auch dieser Part funktioniert in diesem kleinen Film vortrefflich. Realistisch, aufrüttelnd und mit jeder Menge Mut und Anstand gefilmt, kann einem auch dieser Teil packen und zum Nachdenken anregen. Und das alles obwohl es sich dabei "nur" um ein TV-Drama handelt.
Verhältnismäßig schlicht ist deshalb natürlich die Inszenierung geraten, die aber, mit ihrem künstlerischen Kniffen, dennoch zu Überzerzeugen weiß. Denn die Szenen in denen die Jungs ihre Radio-Reportage abdrehen, wurden komplett in Schwarz-Weiß abgedreht, während der übrige Rest in Farbe abläuft. Dieser leichte visuelle Kniff kann bei den jeweiligen Szenen aber eine Wirkung veranlassen, die einem regelrecht frösteln lässt und die, mitunter sehr bittere, Handlung noch tiefgängiger macht, als sie eh schon ist. Manchmal sind es eben schon die kleinsten Filmkniffe, die eine große Wirkung erzielen können.
Zu den Darstellern sei gesagt, dass sie ihre Sache allesamt absolut brillant leisten. Egal ob es die beiden Hauptdarsteller Brandon Hammond und Roderick Pannell sind, Josh Charles, einer der wenigen weißhäutigen Darsteller des Films, oder all die Anderen. Hier gibt es wirklich niemanden, der es nicht schafft, seinen Part glaubwürdig zu präsentieren. Auch wenn man, bis auf Charles, keinen von ihnen kennt, so sind sie allesamt besser, als so manches angebliche Hollywood-Sternchen. So ein perfektes Darstellerteam hat man, vor allem im TV, selten!
Fazit: Tiefbewegendes, realistisch abgezeichnetes und aufrüttelndes TV-Drama, um das gewalttätige und von Armut gezeichnete Leben, in den schwarzen Armenvierteln von Amerika. Ein Appell an jeden, das wir alle Menschen sind, so sehr wir uns auch unterscheiden und das jeder es verdient hat, seine Chance im Leben zu bekommen, egal wer man ist und wie man aussieht. Ein außergewöhnlich tiefgehendes TV-Drama mit brillanten Skript, basierend auf einer wahren Geschichte, und guten Darstellern, ohne jedweden Kitsch oder Pathos, sondern mit Ehrlichkeit, Menschlichkeit und viel Mut! Selten so einen gut gemachtes TV-Drama gesehen!
Wertung: 8/10 Punkte