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Aufgrund der in jüngster Zeit weltweit wieder deutlich gestiegenen Zahlen an Besessenheit hat sich die römisch-katholische Kirche entschlossen, dem Thema Exorzismus wieder mehr Raum zu widmen - in der Bostoner St. Michael School of Exorcism werden zu diesem Zweck junge Priester darin geschult, Teufelsaustreibungen durchzuführen.
In dieser Schule ist seit kurzem auch Schwester Ann (Jacqueline Byers) als Pflegerin beschäftigt - die junge Frau zeigt dabei ein besonderes Interesse an Exorzismen, wähnt sie doch ihre eigene verstorbene Mutter davon betroffen, die sie in jungen Jahren regelmäßig exzessiv mit einem Kamm malträtiert hatte und dies stets auf eine "innere Stimme" zurückführte, die ihr dies befohlen hätte. Grund dafür sei der Umstand, daß das Kleinkind zu einer Gruppe Auserwählter zählen würde, die die Fähigkeit hätten, wirkungsvoll gegen den Teufel zu kämpfen.
Solchermaßen persönlich involviert, schleicht sich Ann eines Tages in ein Exorzismus-Seminar, um neben ihrer brennenden Neugierde auch das eigene Sendungsbewußtsein zu befriedigen. Da diese Ausbildung jedoch nur von Männern besucht werden darf, endet dieser erste Versuch mit einem Rüffel. Kurze Zeit später jedoch wird die junge Frau dann mit Billigung höchster Stellen doch zur Teilnahme an den Seminaren eingeladen. Und dort kann sie ihre Fähigkeiten sogleich unter Beweis stellen: die etwa 7-jährige Patientin Natalie (Posy Taylor), zu der sie als Pflegerin einen guten Draht aufbauen konnte, gebärdet sich plötzlich aggressiv und bedrohlich - ein Dämon spricht aus ihr, und die hinzugezogenen jungen Priester kommen mit ihrer begonnenen Austreibung nicht weiter...

Mit seinem 1973er Klassiker The Exorcist begründete William Friedkin ein Subgenre des Horrofilms, an dem sich immer wieder mal der eine oder andere Regisseur versucht - so auch im 2022er The Devil's Light, der von einem besessenen Kind handelt. In den an sich sattsam bekannten Plot baut Regisseur Daniel Stamm mit seiner weiblichen Hauptdarstellerin dann allerdings ein aktuelles (Frauen-)Thema ein und läßt die ebenso unerschrockene wie sympathische Jacqueline Byers ohne größere Probleme in einer jahrhundertelang ausschließlich männlich besetzten Domäne reüssieren.

Angesichts des gewinnenden Auftretens der Protagonistin mag man dem Plot, der sich 93 Minuten lang in hochglanzpolierten Bildern entfaltet, natürlich gerne folgen, dennoch ist außer dem dem Zeitgeist geschuldeten frauenspezifischem Ansatz absolut nichts real in diesem Märchen: weder forciert die Kirche Teufelsaustreibungen, noch wäre dazu jemals eine Frau zugelassen, erst recht nicht auf persönliche Intervention des Kardinals. Schon gar nicht würde diese Dame nach getaner Arbeit in Privatklamotten breitbeinig auf dem Boden sitzen und ein Bierchen mit einem an Hals und Hand tätowierten jungen Priesterkollegen trinken, der ursprünglich aus einer Drogengang stammt. An diesen (und anderen) Stellen bemerkt man einen leicht übertriebenen Bezug zur Gegenwart, mit dem die Regie offenbar ein jüngeres Publikum ansprechen will.

Während sich keinerlei Beklemmung einstellen will, speist sich eine dennoch streckenweise aufkeimende Spannung eher aus den gekonnt computergenerierten Effekten, wenn beispielsweise ein Kind rückwärts die Wände hochkrabbelt oder der Dämon im Körper der/des Besessenen sich rückgratbrechend nach hinten durchbiegt. Das alles dient freilich mehr oder weniger nur der Unterhaltung, fügt dem Genre dabei nichts wirklich Neues hinzu und läßt auch zu keiner Zeit Zweifel am "guten" Ausgang der Story aufkommen.

Fazit: mit seiner tadellosen Postproduktion ist The Devil's Light, der inzwischen (aus Marketinggründen?) in Prey for the Devil (man beachte das Wortspiel Prey statt Pray) umbenannt wurde, nicht nur für Genrefreunde einen Blick wert, hebt sich inhaltlich jedoch - außer durch sein bemüht implementiertes Frauenthema - kaum von thematisch ähnlich gelagerten Streifen ab: 5,51 Punkte.

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