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Normalerweise kann mich für die Nonnenkiste ja nicht so begeistern, weil die religiösen Implikationen meistens das Fortkommen eher behindern, denn erweitern, aber ich bin gewillt, auch mal Ausnahmen zu machen.

Daniel Stamm – einer der wenigen deutschen Regisseure, die es geschafft haben, international im Genre einen Fuß in die Tür zu bekommen – hat ja schon 2010 bewiesen, dass er es technisch kann, auch wenn sein Found-Footage-Grusel „The Last Exorcism“ auch dramaturgisch noch ein paar Macken hatte. Seitdem hat er im TV seine düstere Kreativität weiterentwickelt und „The Devil’s Light“ führt ihn nun zu Erbsensuppe und Kruzifix zurück.

Schiere Brillianz will ich ihm auch hier nicht unterstellen, aber quasi alles wo Colin Salmon sein Haupt darstellerisch rein hält, ist einen Blick wert und solide fällt auch hier das Ergebnis aus.

Der „gefühlte“ Eindruck dieses x-ten Exorzismusstreifen ist allerdings ein besonderer, denn während andere Filme sich mit Grabesernst einer vergessen-verbotenen Austreibungskunst beschäftigen, geht der Vatikan die Chose hier ganz anders an. Normalerweise muss man den „letzten Austreiber“, den die Kirche eigentlich schon im Vatikan oder einer Südseemission begraben hat, ja immer künstlich wiedererwecken, hier hat man erkannt, dass der Teufel quasi in jeder Jogginghose stecken kann und deswegen baut der Papst so eine Art Powerschule für Exorzisten auf, in der natürlich wieder nur Jungs den Weihrauch schwenken dürfen, die Mädels sind da wie üblich erst in 300 Jahren oder so soweit. 

Protagonistin Ann ist jedoch nicht nur Nonne, sondern auch familiär vorgeschädigt, denn ihre Mama hatte nicht nur ein schizophrenes Krankheitsbild, sie war auch Anns Meinung nach hochgradig besessen, bis sie sich in die nächste Welt verabschiedete. Was natürlich eine enorm geschädigte Kindheit zur Folge hatte.

Deswegen schleicht Ann sich auch ständig in die Vorlesungen von Pater Quinn, um den neuesten Infos zum Thema, was man Dämonen sagen darf und was nicht zu lauschen - was Ärger verursacht und sie  hat einen besonderen Platz im Herzen für die kleine Natalie, die hier die Spiderwalknummer und den Wall Crawler geben darf, quasi Regan 2. Natalies Besitznehmer weiß auch erheblich viel über Ann, weswegen nahe liegt, dass hier der gleiche Dämon es auf die junge Frau mit abgesehen hat.

Natürlich gibt es da diesen narrativen Kniff, dass Ann mit 15 mal im Drogenrausch ein Kind ausgetragen hat und wem jetzt noch nicht der heilige Geist aufgeht, der muss auf Valium sein. Oder am Taufbecken genascht haben.

Auf jeden Fall wird für Ann eine Ausnahme gemacht, die sie – Harry Potter nicht unähnlich – natürlich für alle möglichen Extratouren ausnutzt, was bisweilen gehörig schief geht. Aber schlussendlich bewährt sich auch hier der herauf dämmernde globale Feminismus, nicht zuletzt weil die meisten männlichen Adepten hier meistens schnell die Hosen voll haben.

Klar ist vom Tonfall schon bald, das ist keiner von diesen Exorzistenfilmen, wo am Ende nur ein Nebencharakter noch Chronist sein kann, Stamms Film wirkt wie der bessere Pilotfilm für eine Exorzisten-TV-Serie, der mit seinen 85 Minuten Nettospielzeit voll aufs Wesentliche setzt, das Subgenre routiniert durcharbeitet und am Ende einen deftigen Showdown bietet, da die Dämonenkräfte hier nicht nur auf das Opfer bezogen sind, sondern der fiese Möpp reihenweise Priester per Telekinese meuchelt. Insofern hatten die Herren mit ihrer Vorsicht Recht, lagen bei der Berufswahl aber falsch.

Wer es also klar und übersichtlich mag, so mit Vatikan-Youngster-Rescue-Team und dennoch tödlichem Ernst, der kann gut sein Abendessen dazu genießen, auch wenn mir Jacqueline Byers ein wenig zu jung und blond ist, aber immerhin passable Sympathiewerte einfährt. Neben Salmon und Ben Cross in seiner allerletzten Rolle taucht hier auch mal wieder Virginia Madsen auf dem Schirm auf, die als Psychologin aber etwas außer Form geraten ist und die ich kaum erkannt habe.

Alles in allem stabile und atmosphärisch akzeptable Popcornware, die an der Kasse erfolgreich genug war, um Stamm demnächst hoffentlich einen neuen Regie-Job einzubringen, dabei will ich es mal belassen. (6,5/10)








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