„Personen weiblichen Geschlechts… Man könnte auch Frauen sagen, oder?“
In ihrem vierten „Polizeiruf 110“ hat es die Münchner Polizistin Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger) zur Oberkommissarin gebracht. Wie bereits ihr zweiter Fall wurde auch dieser von Dominik Graf inszeniert, der es damit nun auf sechs „Polizeiruf 110“-Episoden bringt. Ein Debütant innerhalb der öffentlich-rechtlichen TV-Krimireihe ist Drehbuchautor Tobias Kniebe. Der Anfang 2001 in München und Umgebung gedrehte Fall wurde am 2. Juli 2021 auf dem Filmfest München uraufgeführt und am 5. September 2021 im TV erstausgestrahlt. Er basiert auf einen realen Fall, der unter dem Titel „Wolllust“ vom pensionierten Kriminaloberrat der Münchner Mordkommission Josef Wilfling in seinem Buch „Abgründe: Wenn aus Menschen Mörder werden“ geschildert wurde.
„Sie macht das gut…“
Elisabeth Eyckhoff ist neu bei der Münchner Mordkommission und hat es gleich mit einem besonderen Fall in Verbindung mit einem besonders hartnäckigen Delinquenten zu tun: Man ist sich sicher, dass der Student Jonas Borutta (Thomas Schubert, „Windstill“) für den brutalen Überfall auf eine junge Frau (Emma Jane, „Am Abend aller Tage“) in einem Studentenwohnheim verantwortlich ist, bei dem sie zahlreiche Messerstiche erlitt, aber wie durch ein Wunder überlebte. Borutta ist ein der Polizei alter Bekannter, der bereits vor drei Jahren dringend verdächtig war, eine Frau ermordet zu haben. Dem seinerzeit ermittelnden Josef Murnauer (Michael Roll, „Lena Lorenz“) mangelte es jedoch an Beweisen und Borutta hüllte sich in Schweigen – so auch diesmal. Zwar gelang es Eyckhoff, Borutta zum Sprechen zu bringen, doch verwertbar ist davon nichts. Und die Zeit tickt: Bis Mitternacht sind es noch zwei Stunden – hat Borutta bis dahin kein Geständnis abgelegt, muss er wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Da Eyckhoff auf der Stelle zu treten scheint, wird der beurlaubte Murnauer gebeten, etwas aus Borutta herauszubekommen…
„Der geilt sich doch auf an seinen Schachtelsätzen! Er glaubt, dass er auf alle ‘ne Antwort hat.“
„Bis Mitternacht“ ist eine Art Kammerspiel-Psychoduell in Beinahe-Echtzeit, das sich hauptsächlich auf dem Polizeirevier in zwei verschiedenen Verhörräumen abspielt, die rote Digitaluhranzeige – beginnend bei 22:00 Uhr – ständig im Bild. Graf ergänzt dieses Konzept um Rückblenden, teils kurz und assoziativ mit Aufnahmen eines Vulkanausbruchs kombiniert, teils ausführlicher den Tatvorgang zeigend. Und konfrontiert Eyckhoff Borutta mit ihren Vorstellungen davon, wie die Tat abgelaufen sein könnte, werden auch diese Hypothesen visualisiert. Der sekundäre Schauplatz ist jener Raum des Reviers, durch den Eyckhoffs Kollegen die Szenerie genau beobachten und kommentieren, ohne dass es Borutta mitbekommt. Dort verzweifelt man zunehmend an Boruttas zwar recht eloquentem, aber eben auch nichtssagendem Gequatsche, mit dem er immer mehr Zeit gewinnt.
„Die Uhr tickt – für ihn, nicht für uns!“