Vergleiche zu Robert Eggers „The Lighthouse“ scheinen auf den ersten Blick durchaus angemessen bei dem Debüt des Walisers Russell Owen. Eine selbst gewählte Isolation, um Schuld und Erlösung entgegenzutreten, ist ein gängiges Motiv für psychologischen Horror, den Owen zumindest visuell ansprechend zu verpacken weiß.
Nach dem Tod seiner Frau Rachel entscheidet sich der Witwer Eric (Tom Hughes) für einem Job als Schafhirte. Hierfür zieht er mit seinem Border Collie Baxter an die Westküste auf eine Schottische Insel, wo es neben seiner kargen Behausung nur einen ungenutzten Leuchtturm gibt. Konfrontiert mit den Dämonen der Vergangenheit, muss sich Eric schon bald einer bitteren Erkenntnis stellen…
Ein mutiges Unterfangen, seinen Erstling auf nur eine Figur zu stützen, mal abgesehen von einigen, wenigen Nebenfiguren. Zumal Hughes eben nicht das Charisma eines Willem Dafoe oder Liam Neeson mitbringt, denen eine derartige One-Man-Show bereits abverlangt wurde.
Am darstellerischen Unvermögen liegt es allerdings nicht, dass der Zugang zu Eric nicht leicht fällt, da der introvertierte Mann allenfalls mit seinem Hund ein paar wenige Worte wechselt, ansonsten jedoch kaum einen angemessenen Einblick in sein Seelenleben zulässt.
Über den Todeshintergrund seiner Frau erfährt man per Flashbacks ebenfalls nur vage Andeutungen. Ein Autounfall, Klippen, ein möglicher Streit über ein vermeintliches Fremdgehen steht nur als Behauptung im Raum, ebenso eine Schwangerschaft, welche lediglich an einem Ultraschallbild in einer Schublade abzulesen ist. Eric fühlt sich folgerichtig verantwortlich, vielleicht auch schuldig, wonach die Rückblicke immerhin stets ein wenig konkreter bebildert werden, um gegen Finale ein klares Bild von einer bestimmten Situation zu erhalten.
Derweil ist die Kulisse der einsamen Berggegend nahe der Küste gut gewählt. Mithilfe der souveränen Kamera gibt es einige Luftaufnahmen, Panoramaeindrücke und stilvolle Momentaufnahmen, welche die Situation der Isolation adäquat untermauern. Hinzu gesellt sich ein treffsicherer Score, der überwiegend aus einer Soundcollage besteht, welche nur selten die Klänge von Geigen einbindet. Auf atmosphärische Ebene macht Owen einiges richtig, doch inhaltlich tritt er zu lange auf der Stelle, zumal viele Vorgänge arg redundant erscheinen.
So kommt es regelmäßig zu Alpträumen und einem entsprechenden Erwachen, gleich in der ersten Nacht ist ein Gewitter zu verzeichnen und ein Aufkommen von dichtem Nebel war ebenfalls zu erwarten. Bis auf eine eindringliche Szene mit Schafen wird der Genrefan nie wirklich überrascht und das Auftauchen einer düsteren, schemenhaften Gestalt fällt ebenso konventionell aus wie der Ausgang der Angelegenheit.
Mit 103 Minuten Laufzeit ist der Streifen deutlich zu lang ausgefallen, wodurch nicht selten Durchhänger zu verzeichnen sind, zumal in Sachen Abwechslung wahrlich kein Aufwand betrieben wird. Hughes performt engagiert und überzeugend, doch die Distanz zu seiner Figur wird im Verlauf leider nicht verringert, wodurch sich ein Mitfiebern automatisch ausschließt.
Was auf optischer Basis über weite Teile funktioniert, fällt auf narrativer weitgehend flach und unzulänglich aus, was die größtenteils erwartbare Pointe nicht mehr auszubügeln vermag.
Knapp
5 von 10