Eric Black (Tom Hughes) durchlebt eine schwere Zeit. Nach dem Tod seiner Ehefrau samt ungeborenem Kind quält ihn die Trauer. Aber auch eine tiefgreifende Verunsicherung über das, was wirklich passiert ist. Ein Autounfall, an einer Klippe. War er schuld, hat er den Unfall wenn nicht absichtlich, so doch fahrlässig herbeigeführt, hätte er die Frau retten können, hat er es deswegen nicht getan, weil er vermutet, dass sie ihn mehrfach betrogen hat und das Kind nicht von ihm selbst stammt? Fragen über Fragen. Ständig wird er damit konfrontiert ohne eine eindeutige Antwort zu erhalten. Und er hat Höhenangst. Dann die Anzeige in einer Zeitung: Schafhirte gesucht, auf einer einsamen Insel. Um seinem Schmerz zu entkommen, tut er diesen Schritt.
Auf der Insel angekommen, einzig begleitet von seinem Hund Baxter, wird er kursorisch von einer Fischerin instruiert. Sie wird ihn wöchentlich mit Proviant versorgen, ansonsten ist er auf sich gestellt. In dem herunter gekommenen Holzhaus, das als Unterkunft dient, funktioniert so gut wie nichts, nicht einmal der Wasserhahn gibt mehr als Getröpfel von sich. Ansonsten ist da nur noch der alte Leuchtturm. Wer jetzt an einen bestimmten Film von Robert Eggers denkt, liegt nicht ganz falsch. Die Atomsphäre auf der kargen Insel, auf der ständig November zu sein scheint, hat keine guten Auswirkungen auf seinen Geisteszustand. Geplagt von wirren Träumen, Halluzinationen und Visionen wird er konfrontiert mit seiner Geschichte, Personen aus dieser, und der Geschichte von dem tragischen Vorkommnis. Doch was ist real? Regisseur Russel Owen macht nicht den Fehler, dazu Eindeutiges zu liefern, weder für den Protagonisten noch für den Zuschauer. Auch das Ende, das manchen dazu verleitet hat, darin eine klare Zuspitzung zu einer bestimmten Lesart zu sehen, lässt alles offen. Bin ich tot, fragt er sich einmal. Tja. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wenn einen der Film eines lehrt, dann ist es wohl, dass es keine sonderlich gute Idee ist, sich bei seelischen Problemzuständen zurückzuziehen, denn alles, was man dann evoziert, entspringt nur dem eigenen Gehirn und man kreist letztlich ewig um sich selbst.
Atmosphärisch leistet der Film Großartiges und bildet das Innenleben der Hauptfigur in ihrer ganzen Verzweiflung perfekt ab, untermalt von einem kongenialen Score, der sich nur selten in Richtung platter Jump-Scares davon macht. Gut so. Stattdessen wohnen wir den Geräuschen der Natur bei. Wind, Regen, Donner, Sturm, das Ächzen der morschen Balken. Ein mutiger, jederzeit spannender Film im sonstigen Horror-Einerlei einfallsloser Blutbäder.
Bemängeln möchte ich nur die Laufzeit. Es gibt in der Tat einige Wiederholungen, gerade von Traumsequenzen, die man sich hätte sparen können. Geschenkt. Von mir gibt's knappe 8 Punkte.
PS: Ein ähnlich strukturierter (wenn auch mit einem anderen Thema), gleichfalls überzeugender Film ist der spanische INTO THE ABYSS ... aber zu dem schreibe ich keinen Artikel ...