Review

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„Tick, Tick… Boom!“ ist ein weiteres Musical des in dieser Kategorie ohnehin nicht schwachbrüstigen Jahrgangs 2021 und behandelt spielerisch (und doch ernst genug) den holprigen schöpferischen Prozess, den Jonathan Larson Anfang der 90er, kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag und auf dem Weg zu seinem ersten Musical, durchmachen musste. Basierend auf echten Ereignissen rund um den späteren „Rent“-Macher, als Regiedebüt von Lin-Manuel Miranda. Vom einen „Wunderkind“ über das andere sozusagen. Zwischen Kreativität(sstau), Selbstzweifel und allgemeinen Hürden des Lebens. Ein famoser Ritt! 

Auf wievielen persönlichen, musikalischen und menschlichen Ebenen mich „Tick, Tick, Boom!“ angesprochen hat, kann ich kaum aufzählen. Andrew Garfield mit einem absoluten Karrierehoch, mit dem er nächstes Jahr eigentlich ein extrem heißer Kandidat auf den Goldjungen sein muss. Unfassbar gut einfach. Dazu richtig intelligente und catchy Songs. Die Verlorenheit, der Druck, die Sehnsucht und die Ängste kurz vor der „großen 30“. Emotionen. Musik. Trauer. 90er-Feeling. Kreativität plus Theater- und Musicalkultur in Rein- sowie Reimform. Kein Stück trocken. Sehr surreal und verspielt zum Teil - und dennoch metertief und spürbar in der Realität verankert. Schmerzhaft, echt, befreiend. Zelebrierend und beruhigend. Miranda bringt etliche Einfälle und Spielereien auch in seine Art Regie zu führen. Das Thema und Jonathan Larson gehen ihm nah, das merkt man durchgängig und massiv. Viel mehr als eine ausgeschnittene Biographie, als ein Musical über Musicals und Musicalmacher. Grandios. 

Fazit: grenzgeniale Mischung aus Miranda und Fellini, aus Biopic und Musical, aus Leben und Tod, aus Freude und Traurigkeit. Ein Jahreshighlight auf Netflix! 

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