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Mit ihrem dritten Werk in Spielfilmlänge geht die britische Autorin und Regisseurin Ruth Platt ein nicht unerhebliches Risiko ein. Einerseits überträgt sie die darstellerische Hauptlast auf ein kleines Mädchen und andererseits unterbindet sie nahezu jegliche Bedrohung durch eine Entität. Daraus resultiert allenfalls ein Gruseln in seichter Form, was einem weitgehend harmlosen Mysterydrama nahe kommt.

Die 10jährige Leah (Kiera Thompson) lebt mit ihren Eltern und der älteren Schwester in einem ländlich gelegenen Pfarrhaus und hat keine Freunde. Das ändert sich, als nachts ein Mädchen mit Engelsflügeln (Sienna Sayer) vor ihrem Fenster erscheint. Die Fremde gibt ihr Hinweise auf eine verloren gegangene Sache, welche Leah aus dem Amulett ihrer Mutter entwendete. Doch sie entdeckt jedes Mal andere Gegenstände wie kleine Buchstabenwürfel…

Ab und an erinnert die sich wiederkehrende Situation an „Der kleine Vampir“ wenn es am Fenster klopft und jemand erscheint, der dort (ohne Hilfsmittel in der oberen Etage) eigentlich gar nicht sein kann. Obgleich sich die ungleichen Mädchen rasch gut verstehen und mit kleinen Spielchen die stets recht kurze Zeit vertreiben, geht es latent trist und düster zu, was den Grundtenors der Einsamkeit geschuldet ist. Dazu passen auch die kühlen Farben und die wenigen Bilder mit Betonung auf Sonnenschein, was eine scheinbar heile Familienwelt vorzugaukeln sucht. Es liegt auf der Hand, dass hier etwas tief im Verborgenen zu liegen scheint.

Nur dauert es recht lange, bis der Stoff überhaupt etwas konkreter wird und ein paar wenige unheimliche Vorkommnisse eingestreut werden, die allerdings kaum übernatürlichen Ursprungs sind, außer der Behauptung, ein einsam lebendes Kaninchen sei schwanger.
Pfarrhaus, Kirche und Teile des Gartens schüren zwar eine leicht unangenehm anmutende Stimmung, doch das langt beileibe nicht zum Gruseln, geschweige denn zum Mitfiebern. Leah ist im Grunde nie einer konkreten Gefahr ausgesetzt, obgleich das hinsichtlich der Ärgerschwester und der unterkühlt wirkenden Mutter auch als solche empfunden werden kann.

Derweil lässt sich früh erahnen, was es mit der unheimlichen Besucherin auf sich hat, deren Erscheinungsbild und Verfassung sich im Zuge diverser nächtlicher Visiten deutlich ändert.
Zwar wird der Stoff im finalen Akt ein wenig emotionaler, doch Überraschungen bleiben komplett aus, während andere Enthüllungen beinahe beiläufig abgehandelt werden. So fällt auch die dramaturgische Steigerung eher mau aus.

Darstellerisch kann man sich hingegen auf ein grundsolides Niveau einstellen, denn speziell die beiden Mädchen performen sehr natürlich, was der Erzählung, als auch der Sichtweise zugute kommt. Denn nicht selten übernimmt die Kamera Leahs Perspektive, etwa beim Schaukeln oder beim Aufstöbern einer verlorenen Sache. Der spärlich eingesetzte Score findet zudem den richtigen Ton und das Make-up arbeitet hinsichtlich des vergleichsweise geringen Aufwands sehr ordentlich.

„Slow Pacing“ ist das, was Ruth Platt mit ihrem Streifen abliefert und was folgerichtig eine ordentliche Portion Geduld erfordert. Knallharter Horror, Erschreckmomente, Blutvergießen oder dämonische Schauwerte sollten hier nicht erwartet werden, da es überwiegend ruhig und figurenbezogen zugeht. Das kann sich handwerklich und vor allem darstellerisch sehen lassen, doch die dünne Geschichte nebst magerer Auflösung bringt nicht mehr als allenfalls tauglichen Durchschnitt hervor.
5,5 von 10

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