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Die Faszination des Bösen erscheint in gewissen Fällen beinahe unergründlich, speziell in Bezug auf einige widersprüchlich erscheinende Serienkiller wie Ted Bundy. Viel wurde über ihn in der Vergangenheit berichtet, zumal er einige Jahre in der Todeszelle verbrachte und diverse Medien intensiv mit seiner Person beschäftigt waren. Hier gerät die Sichtweise eines FBI-Analysten in den Fokus, beruhend auf den Aufzeichnungen des Profilers Bill Hagmaier.

1985 erhält der FBI-Agent Bill Hagmaier (Elijah Wood) die eher undankbare Aufgabe, den Serienkiller Ted Bundy (Luke Kirby) im Gefängnis Floridas aufzusuchen, um sich in ausführlichen Gesprächen einem Täterprofil zu nähern. Doch Bundy sperrte sich bislang vehement gegenüber dem FBI…

Regisseurin Amber Sealey setzt den Fokus auf ein kammerspielartiges Szenario: Ein karger Verhörraum, ein Tisch, zwei Männer, was ein wenig an „Der Totmacher“ mit Götz George als Killer Fritz Haarmann erinnert. Obgleich auch hier die Fakten weitgehend auf den Tisch lagen, konnte man einen Einblick in die Persönlichkeit Haarmanns gewinnen, was hier kaum der Fall ist.

Dabei entpuppt sich Luke Kirby als die perfekte Besetzung als Bundy, der durchaus gebildet, kultiviert und redegewandt erscheint, recht viele typische Attribute gekonnt auf den Punkt bringt und anfangs beinahe unscheinbar lauernd seinem Gegenüber ebenfalls etwas zu entlocken versucht, - schließlich gilt es, Misstrauen abzubauen und nicht nur ein reines Verhör anzuzetteln. Wood gibt den Profiler in leicht nervöser Zurückhaltung, er strahlt beileibe keine Überlegenheit aus, was den Killer womöglich erst zugänglich werden lässt. Die ersten Begegnungen sind durchaus vom Ausloten jeweiliger Stärken begleitet, was nicht uninteressant anmutet.

Doch dann stagnieren die Inhalte der Treffen bis zur letzten Phase. Nur wenig erfährt man vom Profiler, dessen Wahrnehmungen von Gut und Böse ins Schwimmen geraten und noch weniger offenbart Ted Bundy, welcher wohl eher die anregenden Gespräche mit seinem auf Augenhöhe taktierenden Gegenüber auszukosten scheint, denn zu verlieren hat man in einer Todeszelle wahrlich nicht mehr viel. Man muss nicht zwangsläufig blutige Taten nachstellen, um das Leid der Opfer zu visualisieren, doch mit dem langsamen Zoom aufs betroffene Gesicht einer TV-Mitarbeiterin wirkt so etwas wie ein minimales Eingeständnis, dass Bundy womöglich doch eine Bestie in freundlich erscheinender Menschengestalt sein könnte, was deutlich zu spät eingeschoben wird.

In die Tiefe des Serienkillers taucht der Stoff nur sehr bedingt ein, - wer sich mit der Biografie Bundys ein wenig beschäftigte, erfährt keine neuen Fakten und wer bislang kaum etwas über seinen Hintergrund wusste, wird zu wenig aufgeklärt. Auch die Person des Profilers wird einem allenfalls ansatzweise näher gebracht, zumal das jugendliche Gesicht des exzellent agierenden Wood eben noch immer an eine bestimmte Figur erinnert, während Kirby ebenfalls großartig performt, was das Unterfangen, nebst versierter Kamera und stimmungsvollen Score noch einigermaßen rettet. Aber spannend gestaltet es sich eben nicht.
5 von 10

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