Home is where the Heart is, und das liegt nun mal zweifelsohne immer noch tief in den Karpaten. Der Urlaub ist vorbei, jetzt geht’s wieder in die Hotel-Lobby, damit das untote Leben weiter pulsieren kann. Ein paar Souvenirs wurden zum Wohle der Serien-Kontinuität von der Kreuzfahrt mitgenommen (neue Eindrücke, neue Nebenfiguren), ansonsten ist der vierte Teil mit dem erneut grammatikalisch fragwürdigen deutschen Titel „Eine Monster Verwandlung“ jedoch eine klare Rückkehr zu den Wurzeln, auch wenn es einige der Figuren in der zweiten Hälfte ausgerechnet in die gleißende Sonne des südamerikanischen Kontinents zieht.
Der Ortstausch des dritten Teils muss wohl dazu inspiriert haben, sich diesmal der Abwechslung halber in die Tradition der Körpertauschkomödie zu begeben, um neue Impulse für die Franchise zu gewinnen. Tatsächlich funktioniert das stellenweise recht gut, entartet der Wechsel Mensch / Monster bzw. Monster / Mensch doch nicht einfach in eine sinnlose Faschingsparade, sondern fördert durchaus verborgene Merkmale der jeweiligen Charaktere zutage. Neben offensichtlichen Gags (stellt sich doch glatt heraus, dass der Unsichtbare die ganze Zeit nackt war!) und reinem Gimmick-Humor (Wackelpudding) gibt es an der Front auch subtile Transformationen zu bestaunen. So mündet vor allem die Verwandlung Draculas in das Abbild eines angenehm normalen Menschen osteuropäischer Prägung mit all seinen Makeln, was die ohnehin schon immer angenehm schräge Figur mit neuen menschlichen Facetten ausstattet und obendrein etwas Druck von der patriarchalen Ordnung nimmt.
Auf dem Regiestuhl ist erstmals nicht mehr Genndy Tartakovsky zu finden, aber das Gespann Derek Drymon („SpongeBob Schwammkopf“) und Jennifer Kluska („DC Super Hero Girls“) weist genug Erfahrung mit der Welt des Anarcho-Humors vor, um den Stilbruch nicht all zu auffällig geraten zu lassen, auch wenn die Zähne nach so vielen Abenteuern nun ein wenig stumpfer wirken. Tartakovsky ist immerhin noch als einer von drei Drehbuchautoren zugegen, aber so recht will ihm und seinem Team nichts einfallen, handelt der zentrale Konflikt doch letztlich immer noch von ähnlichen Problemen wie im ersten Teil, denn Mensch Johnny scheint sich immer noch nicht so ganz den Respekt seines Schwiegerpapas erarbeitet zu haben.
So ergibt sich also eine ähnliche Problematik wie in „Ein Monster Urlaub“. Die unangepassten Slapstick-Einlagen funktionieren dank der Nickelodeon-Schule auch in autonomen Sketch-Ellipsen, solange nur die richtigen Schreiber und Synchronsprecher an Bord sind, was erfreulicherweise immer noch der Fall ist. Doch braucht es eben auch eine Story-Motivation, die über spontane Mitternachtseinfälle hinausgeht, damit die Figuren auch wirklich völlig in ihren Gags aufgehen können. Immer offensichtlicher wird es, dass die Reihe inzwischen nur noch an steilen Kontrasten interessiert ist, zu finden diesmal in einem Drachen in den Farben des brasilianischen Fußballtrikots, sowie dem Anblick eines umgekehrten Vampirs, der bei knallender Sonne durch den Dschungel watet.
Obwohl die Basics (Animationsqualität, Besetzung etc.) noch nicht oder nur geringfügig leiden, ist leider spätestens jetzt inhaltlich ein Abdriften in die dtv-Schiene zu spüren, so dass es nur folgerichtig ist, dass „Eine Monster Verwandlung“ im Amazon-Prime-Basiskatalog seine Premiere feiert. Damit ist er auf Anhieb treffender eingeordnet als sein Vorgänger durch den Sony-Kinostart im Jahr 2018.