Review
von Leimbacher-Mario
Mein Maradona
Paolo Sorrentino ist eine der feinsten Regiestimmen im europäischen Kino der aktuellen Zeit. Mit „La Grande Bellezza“ hat er z.B. einen waschechten Klassiker geschaffen. Auch „Loro“ und „Youth“ sind ohne große Einschränkungen sehenswert. Jetzt vertreibt Netflix sein neuestes, bisher persönlichstes, ja schon fast intimstes Werk - „Die Hand Gottes“. Ein klar autobiografisch angehauchtes, fantasievolles Werk über seine Jugend, seine Familie, seine Erfahrungen im dreckigen und zugleich famosen Neapel - kurz bevor der beste Fußballer aller Zeiten in die Stadt kam…
„Hand of God“ ist ein Film über Familie. Über Fußball und Frauen. Über Götter und Glauben. Über die Pubertät und Sexualität. Über Neapel. Über Paolo Sorrentino. Über Träume und Wünsche. Über das Filmemachen. Über Mut und Melancholie. Über Italien und Italiener. Über Freistöße. Über Eltern und Kinder. Über Pfiffe und Bären. Über Sonne und Sünden. Über Verlust und Stärke. Über Meer und Männer. Über das Erwachsenwerden. Über Sprache. Vornehme und vulgäre. Mimische wie mündliche. Seelische wie körperliche. Über Komik in den unpassendsten Momenten. Über Pos und Poesie. Über Schmutz und Schönheit. Über Beleidigungen und Beistand. Über Mönche und Mütter. Über Momente und Menschen.
Fazit: ein weiteres Wunderwerk von Sorrentino. Fast auf Fellini-Niveau a la „Amarcord“ oder „Roma“. Persönlich, surreal, schön. Wunderschön. Auch in seiner Hässlichkeit. Italiens momentaner Meister. Selbst wenn die zweite Hälfte des Films etwas auf der Stelle tritt und abfällt.