Als Architekt ist Henry Parsons (Logan Marshall-Green) in der angenehmen Lage, sich und seiner indischstämmigen Frau Meera (Freida Pinto) ein Domizil nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu erstellen, doch als das aus Boston stammende Paar in ihr neues, bewußt in einer ländlichen Region gebautes Eigenheim zieht, wird der angestrebte Neuanfang schon bald durch merkwürdige Eindringlinge gestört. Während die Einbrecher beim ersten Mal in Abwesenheit der Besitzer nur die Wohnung verwüsten, werden diese kurz darauf beim zweiten Einbruch direkt überfallen und können sich nur mit knapper Not und einer von Henry versteckten Pistole behaupten. Das Motiv der Täter jedoch bleibt für Detective Morse (Robert John Burke) genauso wie für den Zuschauer noch völlig im Dunklen. Der Architekt Henry, der einen der Einbrecher in Notwehr erschoss, scheint darüber gut hinwegzukommen, doch Meera plagen immer mehr seltsame Tagträume und Vorstellungen, die die Psychiaterin bis in ihren Berufsalltag verfolgen. An die Suche nach Motiven gewohnt, macht sie sich schließlich selbst auf Spurensuche - wer waren diese Einbrecher, die aus einem sozialen Brennpunkt in der Nähe stammten, und wieso hatten sie sich gerade die Parsons als Opfer ausgesucht?
Das Thema Home Invasion kennt man bereits aus diversen Filmen, doch weder die bekannte Thematik noch die eher ansprechende Location eines weitläufigen Domizils am Land, das erst nach dem ersten Einbruch mit Sicherungstechnik ausgestattet wird, sind der Grund, warum Intrusion nach durchschnittlichem Beginn immer weiter abfällt - es ist wie so oft das schwache Drehbuch, das spätestens gegen Filmmitte jegliche Spannung herausnimmt und darüber hinaus ohne größere Wendungen und ohne jeglichen Pfiff auf ein erwartbares Ende zusteuert. Dabei hat Regisseur Adam Salky noch eine - vermutlich besonders fies sein wollende - Pointe kurz vor Schluß eingebaut, die jedoch, ohne weitere Begründung serviert, ziemlich abstrus und damit unglaubwürdig wirkt und dem ohnehin vor sich hin dümpelnden Geschehen somit den Rest gibt.
Während den beiden Hauptfiguren genügend Raum zur Entfaltung gegeben wird (er ein aalglatter Karrierist, der jedoch alles für seine Frau tut, sie eine empfindsame, verletzliche Person, die nach einer überstandenen Krebserkrankung noch angeschlagen ist) vermögen es die beiden jedoch nicht, größere Sympathiewerte zu generieren. Zudem begeht das Drehbuch einen Kardinalfehler, indem es mit Meera eine zwar selbstbewußte, jedoch sehr zurückhaltende und derzeit psychisch angeknackste Figur aufbaut, diese dann jedoch ohne die geringste Angst oder Absicherung in eine ihr völlig unbekannte Gegend schickt, wo jene zu allem Überfluß dann in ein verlassenes Haus einsteigt und in Postfächern herumwühlt - ein schlicht implausibles Verhalten, welches den zuvor beim Zuschauer erzeugten Eindruck komplett auf den Kopf stellt. Nicht daß solch eine Verhaltensänderung so ungewöhnlich wäre, doch Meera fällt danach sofort wieder in ihre Rolle als unsichere Zweiflerin zurück, die nicht weiß wie es weitergehen soll. Aus dem, was sie bei ihrem Ausflug in fremde Gefilde entdeckt, macht sie darüberhinaus viel zu wenig - es dient überdeutlich nur dazu, dem Zuschauer eine heiße Spur zu vermitteln. Und diese erweist sich dann natürlich auch als richtig.
Wenn jedoch schon vorzeitig so deutlich darauf hingewiesen wird, worum es überhaupt geht (Stichwort: eine Person ist verschwunden, vom ermittelnden Detective schon nach einer knappen Viertelstunde Laufzeit erwähnt) darf man sich nicht wundern, wenn sich die ohnehin geringe Spannung bald völlig verflüchtigt. Dazu kommen dann noch einige Logikfehler (wie ein ominöses Band in einer Videokamera oder der Umstand, daß niemand etwas gehört hat wo man etwas hätte hören müssen bzw. daß gewisse Baupläne anscheinend ein Staatsgeheimnis waren etc.), die den Plot vollends in Frage stellen.
Somit bleibt die Netflix-Produktion Intrusion, die in Punkto Kameraperspektiven und Schnitt sogar einiges zu bieten hat, inhaltlich ein verkorkster Thriller, der nicht einmal die ohnehin geringen Erwartungen zu erfüllen vermag. "Ich entscheide, wann", ein nicht weiter erläutertes Motiv aus dem Film, könnte somit auch für den enttäuschten Zuschauer gelten, der den unausgegorenen Plot schon vorzeitig abdreht. 3 Punkte.