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In China dürfte der Roman „Die drei Reiche“ in etwa so bekannt sein, wie die Bibel den Christen. Folgerichtig gab es bereits einige filmische Auseinandersetzungen mit der Vorlage, welche kaum einer zentralen Handlung folgt. Regiedebütant Ye Luo ist es immerhin gelungen, so etwas wie eine Story daraus zu entwickeln.

Einst zählte Zhao Zilong zu den großen Kriegern bei den Rittern des weißen Pferdes. Doch seit sieben Jahren lebt er zurückgezogen in einem Dorf, bis er über Umwege von seinem einstigen Gefährten Liu Bei erfährt, der den Kampf gegen die Feinde erneut aufnehmen will. Als dessen Sohn entführt wird, ist der Kampfgeist in Zilong zurück…

Wer außerhalb Chinas aufgewachsen ist, dürfte zunächst einige Zuordnungsprobleme bekommen, denn welches Königreich warum gegen ein anderes in den Krieg gezogen ist, erschließt sich nicht. Zumal Texttafeln auf chinesisch ohne Übersetzung herzlich wenig bringen. So steigt der Stoff mit einer einigermaßen episch aufgezogenen Schlacht ein, bei dem einem sämtliche Beteiligte egal sind, - man weiß ja nicht, wofür die jeweils einstehen.

Entsprechend benötigt es eine Weile, mit dem insgesamt doch recht unterkühlt auftretenden Zilong warm zu werden, während er zwischenzeitlich einige Gefährten hinzu gewinnen kann, die deutlich zugänglicher erscheinen und sogar für kleine Auflockerungen gut sind.
Überdies wartet man ohnehin nur auf die körperlichen Auseinandersetzungen, welche regelmäßig eingebunden werden und die Chose leidlich bei Laune halten.

Denn ein Faible für typische Wuxia-Action ist hier Voraussetzung, zumal der Einsatz von Wirework zum sprichwörtlich übertriebenen Drahtseilakt führt. Nach Schlägen fliegen Kontrahenten teils 15 Meter weit in und durch die Luft, mal ganz so schweigen von den Distanzen im Endkampf. Ritterliche Helden mit teils übermenschlichen Kräften sind zwar gängig für dieses Terrain, doch an einigen Stellen wurde maßlos übertrieben. Ansonsten ist die Choreo sauber, das Timing stimmt, nur das latent schwach eingeworfene CGI-Blut macht sich rasch negativ bemerkbar.

Demgegenüber punktet das eine oder andere exotisch anmutende Setting, die Ausstattung ist teils exzellent und einige Massenszenen, etwa während eines Flüchtlingsstroms aus dem Nachbardorf sind ebenfalls überzeugend in Szene gesetzt. Dazu passt ein sauber abgestimmter Score und eine überraschend gute Synchro, die teils deutlich über dem Niveau der eher durchschnittlich performenden Mimen liegt.

Dennoch reißt der Actioner zu keiner Zeit mit, da die Handlung kaum packt, die Bösewichte komplett austauschbar bleiben und der Held nichts markantes mitbringt. Die Kampfszenen entschädigen nur bedingt, der Rest entfaltet sich als zu seelenlos.
4,5 von 10

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