Review

Im Verlauf der Jahre wurde Scott Eastwood seinem Vater Clint immer ähnlicher und sobald er die Augen zusammenkneift, als wolle er fragen „Was hast du gerade gesagt?“ fühlt man sich glatt an Westernmomente aus den 60ern erinnert. Ein wenig Neo-Western liefert auch der Actioner von David Hackl („Saw V“), der als Versatzteillager von „Stirb Langsam“ jedoch einige Jahrzehnte zu spät kommt.

Dylan (Eastwood) leidet seit jeher unter einer dissozialen Persönlichkeitsstörung, die nur ein geringes Maß an Emotionen erlaubt. Soeben ist er auf Bewährung draußen und verstößt gegen die Auflagen, als sein Bruder unerwartet stirbt. Er reist zur Insel „Guardian Island“, doch kurz nach seiner Ankunft bei der kleinen Trauergemeinde gesellen sich Söldner um Cole (Kevin Durand) dazu, welche auf der Suche nach einer bestimmten Sache sind…

Zunächst lässt sich der Stoff Zeit, die Hauptfigur und seine auffälligen Macken einzuführen. Dylan muss sich einige Verhaltensregeln zur Trauerfeier einprägen, die für die meisten völlig intuitiv erscheinen, was regelmäßig zu Rücksprachen mit seinem Psychiater (Mel Gibson) führt, wobei ein leichtes Augenzwinkern hinsichtlich Gibson und seiner Eskapaden nicht ausbleibt.

Die Insel mit seinem Hotel bietet ein nettes Ambiente, doch augenscheinlich weiß der Stoff mit der Belagerungssituation nur bedingt etwas anzufangen. Bilden Dylan und Jo (Destiny Millns) anfangs noch ein schlagfertiges Gespann, wird diese Verbindung kurz darauf wieder gelöst, damit andere Nebencharaktere ein wenig eingebunden werden, was jedoch nur auf oberflächlicher Basis geschieht. In diesem Zusammenhang ist der Einsatz einer FBI-Agentin (Famke Janssen) selten so sinnlos erschienen, zumal diese nur im Auto sitzend telefoniert und null zur Handlung beiträgt.

Die Action wird indes spärlich dosiert und allzu viel Bewegung ist da nicht im Spiel, denn selbst Zweikämpfe mit allenfalls zweckdienlicher Choreo werden viel zu rasch abgehandelt und die meisten Gegner verhältnismäßig unspektakulär ausgeschaltet. Angesichts einiger blutiger Einschüsse erscheint die FSK16 angemessen und erst zum Finale wird etwas mehr geballert, - jedoch auch deutlich weniger getroffen.

Dass mit Eastwood und Gibson gleich zwei Mimen des Streifens für die Goldene Himbeere nominiert wurden, mutet etwas befremdlich an. Eastwood ist von Hause aus zwar etwas limitiert, doch für eine Figur mit mangelnder Empathie im Grunde genau der richtige, während Gibson als leicht zerstreuter Psychodog sichtlich Spaß an den jeweils kurzen Einsätzen hatte. Durand liefert als Antagonist gewohnt souverän und auch die übrigen Mimen enttäuschen nicht.

Was der Chose letztlich fehlt, ist eine markante Inszenierung und der eine oder andere Twist, womit gewiss nicht die hanebüchene Auflösung des Gesuchten gemeint ist. Es mangelt an spannenden Konfrontationen, ausgefuchster Gegenwehr und wirklich fiesen Gangstern, denn zuweilen wähnt man sich eher in einer Komödie, was eventuell eine treffendere Marschrichtung gewesen wäre.
Knapp
5 von 10

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