Review

Och nö, Herr Zucker!
Da wird uns allerortens angekündigt, daß mit Einzug des „Naked Gun“-Veteranen der gute alte „Airplane“-Deadpan-Humor in die Franchise zurückgekehrt ist, zwar mit reichlich krachigen modernen Filmparodien (oder der jeweiligen Verarsche), aber dafür wieder mit etwas mehr Niveau und was kriegen wir geliefert?
Praktisch genau denselben Piss-, Kotz- und Pupshumor der ersten beiden Teile, zwar nicht mehr in ganz so grotesker Übertreibung wie beim unterirdischen zweiten Teil, aber die wahre Finesse können wir hier wieder nicht finden.

Zu sehr will (muß?) sich Zucker bei der jugendlichen Stammklientel anbiedern und die steht eben momentan auf die voll krassen Sachen. Also kniet Anna Faris in Hundekacke, reihert Simon Rex (wer?) einem Rapper in den Schoß und Queen Latifah darf einen fahren lassen, daß das Sesselleder quietscht. Einmal mag das durchgehen, aber eigentlich hatte ich gehofft, darauf verzichten zu können.

Wie überhaupt viele Teile der Handlung bei den ersten zwei Erfolgsformeln abgeguckt scheinen: zu viele Rapper/Hiphoper bevölkern den Film, die sämtliche Posseklischees ein drittes Mal unterlaufen und so richtig schön zwischendurch Ghettokid spielen dürfen.
Dagegen stellt das Skript, wohl in einem Anfall von Nostalgiesucht eine Reihe von üblichen Vedächtigen, die bereits mit dieser Art von zuckerschem Humor Erfahrung haben, wie Leslie Nielsen oder Charlie Sheen. Wieder dabei natürlich auch Anna Faris, neben Co-Star Regina Hall das einzige Überbleibsel aus den ersten beiden Filmen, die es an Timing mit den Altstars aufnehmen kann. Doch Sheen und Nielsen kommen so kurz, wie es an echt brauchbaren Comedians, die auch solche Verarsche straight spielen können, mangelt.

Insgesamt haben die Autoren (allen voran Pat Proft, die schon „Die nackte Kanone“ mitgeschrieben hat) zwar die entsprechend zu parodierenden Filme schön unter einen Hut bekommen, aber der Plot bleibt dünn und bröselig und hangelt sie so von einer Parodie zur nächsten, auf das der Wiedererkennungswert den Lacher bringen wird.
Leider war es Zuckers Spezialiät in den „Airplane/Naked-Gun“-Filmen, die bekannten Bilder und Mechanismen eben nicht parodierend zu kopieren, sondern sie zu übertreiben und in einen übersteigerten Kontext zu setzen. Das war nicht Eyecandy, sondern durchaus mit sorgfältig geschliffenem Gag-Dialog versehen. Davon ist in „Scary Movie 3“ jedoch nur an ein oder zwei Stellen etwas zu bemerken (meistens, wenn Anna Faris im Bild ist).
Sonst herrscht humoristische Grobschlächtigkeit, die sich zumeist darauf ausruht, dem präcognitiven Cody irgendwelche brutalen Unfälle zustoßen zu lassen, bei dem ihm in bester Comicmanier aber nie etwas wirklich Schlimmes geschieht. Alles übrige sind eh nur humoristische Scary-Movie-Standards, die auf das geistige Niveau 15jähriger zielt.

Viel schlimmer sind da noch die wohl extra wegen des Testpublikums nachgedrehten Szenen mit dem Schauspieler Anthony Anderson, die wohl nur ein schwarzes oder amerikanisches Publikum wirklich witzig finden kann. Eine geschmacklose Sequenz rund um die versuchte Reanimation der bereits aufgebahrten Regina Hall etwa strapaziert nur die Nerven, nicht die Lachmuskeln.
Und so ist dann auch die finale Überpointe das Zitat eines Zitats aus dem seligen „Airplane“, wenn Leslie Nielsen seine berühmte Glückwunsch-Killerzeile noch einmal bringen darf. Großartig und traurig zugleich.

Ergo ein Film, der zwar wegen seiner vielen Filmzitate einen hohen Wiedererkennungswert besitzt, diesen aber jeweils nur für wenige Minuten halten kann, weil die Parodie eindeutig beweist, wie dringend nötig man mal wieder die Sichtung des viel besseren Originals hat.
Mal amüsant, mal viel zu grob und insgesamt nicht der Film, den wir nach „Rat Race“ sehen wollten, um die Ehre der Zuckers zu retten. (5/10)

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