Review
von Leimbacher-Mario
Buddy-Schlock-Comedy
„Venom“ war vor drei Jahren ein überraschend wuchtiger, weltweiter Kassenhit, beinahe auf „Spider-Man“-Niveau. Und dabei war der Film an sich vollkommener Durchschnitt und vergessenswert. Aber Hardy und sein Charisma zogen scheinbar genug. Was passiert also, wenn dazu noch ein toller Film stößt? Das werden wir leider vorerst nicht erfahren, denn „Venom 2“ macht mehr von dem Gleichen, ist ausschließlich für die vielen, vorbeigehenden Sympathisanten des Vorgängers gemacht und daher für mich alles andere als einen Kinobesuch und einen Daumen hoch wert. Und dennoch hat dieses sloppy Duo irgendetwas, von dem man die Augen nicht wegnehmen will… In „Venom: Let There Be Carnage“ bekommen es die mittlerweile besser eingespielten, aber sich dennoch oft zankenden Eddie und Venom mit ihrem bisher bissigsten Gegner zu tun - Carnage, der sich aus dem zum Tode verurteilten Serienmörder Cletus Kasady entwickelt hat, weil dieser wiederum Eddie in die Hand gebissen und von seinem „verschmutzten“ Blut gekostet hat…
Das Sequel zu „Venom“ vertraut auf Bewährtes - und das ist weitgehend gutes CGI, die Chemie zwischen den 2in1-Hauptdarstellern und keine allzu lange Laufzeit. Letzteres ist gerade im heutigen, überlangen Wust an Comicverfilmungen eine Wohltat. Hardy hat den zwiegespaltenen Charakter einfach drauf und ist auch noch lange nicht auf Autopilot. Venom ist hier schon lange keine Bösewicht mehr, nichtmal mehr wirklich ein Antiheld oder Sidekick. Eher der bizarre, fast etwas traurige Star der Show. Alles bleibt jugendfrei, leicht verzehrbar und unblutig. Wie oft Venom etwas dazwischen kommt, wenn er kurz davor ist Leuten den Kopf abzubeissen, ist ärgerlich, aber definitiv schon ein Running Gag. Der Eminem-Titelsong geht mal wieder gut ab und zu Harrelson sagt man als Bösewicht nie nein. Minimale „NBK“-Vibes gibt’s mit ihm sogar. Doch das klingt insgesamt besser, als ich ihn im Endeffekt und der Nachbetrachtung finde. Carnage hat kaum eigenen Charakter, Harrelson wirkt verschenkt. Das Finale ist wie zu erwarten leider nur reiner CGI-Brei-Brawl (wenn auch mit netter Beleuchtung) nicht weit weg von einem „Incredible Hulk“. Andy Serkis kann dem Ding nicht seinen Stempel aufdrücken und Shriek bleibt ebenfalls nur eine Fußnote. Am ehesten bleibt hier die in ihrer Bedeutung doch recht epische Schlussszene im Abspann im Gedächtnis. Der Rest des Films ist kalorienarme Stangenware, die in ihren schwächeren Momenten sogar an sowas wie „Wolverine: Origins“ oder „Green Lantern“ erinnert.
Fazit: wie ein altes Ehepaar… Es gibt eine Menge Dinge, die an „Venom 2“ subpar sind. Und doch versprühen Hardy und sein hungriger Symbiot über flotte 90 Minuten noch genug Kurzweile, um einen grundsätzlich zufrieden zu stellen oder zumindest flach zu unterhalten. Und dann gibt’s da ja auch noch diese Post-Creditszene… :)