Jung, flippig, ein bißchen schräg, jedoch stets ambitioniert: so könnte man Officer Valerie Young (Alexis Louder) beschreiben - die junge Afroamerikanerin nimmt ihren Polizeidienst in einem staubigen Kaff in der Wüste Nevadas meist mit Humor, ist in Gun Creek doch für gewöhnlich nicht allzuviel los. Als sie bei einer Prügelei vor einem Hotel nahe Las Vegas unvermittelt von einem Gast niedergeschlagen wird, locht sie den Angreifer routiniert ein. Womit der Polizei-Rookie jedoch nicht gerechnet hat, ist, daß Teddy Murretto (Frank Grillo), ein Mittelsmann der Mafia, auf der Flucht ist, nachdem er Geld unterschlagen hat und sich im Gefängnis, in dem er durch diesen provozierten Faustschlag gelandet ist, eine kleine Atempause erhofft. Sein gerade sichergestelltes Fluchtfahrzeug wurde von einem Betrunkenen gerammt, der kurz darauf in eine benachbarte Zelle eingeliefert wird. Murretto wiederum ahnt nicht, daß es sich bei diesem vorgeblich Betrunkenen um Bob Viddick (Gerard Butler) handelt, einen Auftragskiller, der Murretto erledigen soll. Als dieser sich outet, bricht bei Murretto der kalte Schweiß aus - nur 2 Reihen Gitterstäbe trennen ihn vom sicheren Tod. Den wenig interessierten Polizisten kann er sich nicht offenbaren, zudem ist auch ein seinen Häschern verpflichteter korrupter Cop in Gun Creek tätig. Zu allem Überfluß befindet sich ein weiterer Auftragskiller, der Psychpath Lamb (Toby Huss), am Weg zur kleinen Polizeistation irgendwo im Nirgendwo. Ein unheilvolle Nacht beginnt...
Das durchaus spannende Ausgangsszenario erinnert den geneigten Filmfreund natürlich frappierend an Assault on Precinct 13, doch Regisseur Joe Carnahans (Smokin’ Aces, The Grey - Unter Wölfen) neues Werk setzt statt auf Spannung - wie Carpenters 1976er Kultfilm - eher auf abgedrehte Charaktäre à la Tarantino und weidet sich (zum Teil in Zeitlupe, geradezu zelebrierend) dem Auseinandernehmen der kleinen Polizeistation. Das blutgetränkte, später bleihaltige Treiben ist zwar ganz nett anzusehen, hinterläßt aufgrund des teilweise seltsamen Humors und mangels überraschender Twists allerdings keinen bleibenden Eindruck.
Das Hauptproblem bei Copshop sind jedoch die wenig sympathischen Filmcharaktäre, die einem jedes Mitfiebern konstant verweigern: Der verlogene Murretto vermag selbst in die Enge getrieben kein Mitleid zu erwecken, Officer Young steht nur am Anfang im Vordergrund, baut dann aber immer weiter ab, Hitman Viddick scheint als Einziger vernünftig, hat aber zu wenig Raum, seinen Charakter wirkungsvoll zu entfalten und Auftragskiller Anthony Lamb, optisch ein mit 1980er-Rotzbremse ausgestatteter Pensionist, ist durch sein exaltiertes Auftreten (möchtegern-lustiges Geschwafel in tuntiger Tonlage inklusive Gesangseinlage) so übertrieben gezeichnet, daß man sich an eine Komödie erinnert fühlt - die restlichen Rollen (schwabbelbäuchige Cops etc.) haben als teilweise holzschnittartige Statisten kaum Screentime.
So wird dann munter versprochen, gelogen, verschwiegen und drauflos geballert, daß es nur so eine Freude ist, wobei man dann auch über ein paar Dinge gnädig hinwegsieht, z.B. wie oft man eine Uzi nachladen muß bzw. wie oft man ein leergeschossenes Magazin umdrehen kann, damit man weiterfeuern kann, wieso es einerseits Panzerglastüren im Gun Creek Police Department gibt, andere Räume - wie die Waffenkammer - aber nur mit normalem Fensterglas ausgestattet sind (das - in Zeitlupe - so schön dramatisch zersplittert), wieso im Keller entzündeter Betonboden so schnell nach oben brennt oder wo das Rettungsfahrzeug der Sanitäter abgeblieben ist (der Parkplatz war leer). Wie jemand, angeschossen, aus dem Keller in die Küche kommt, sich unterwegs selbst verbindet und nebenbei auch noch seinen Clint-Eastwood-Gedächtnis-Colt im Mülleimer findet muß ebensowenig erläutert werden, weil der erwartungsgemäß verlaufende Showdown eben so schöne Schauwerte produziert.
Fazit: Unterhaltung wird großgeschrieben in Copshop, Logik oder gar Spannung sind eher weniger vorhanden. Bei einem (oder mehreren) Bierchen auch durchaus als Zweitsichtung geeignet: 6 Punkte.