Review

Männlichkeit kennt keine Grenzen


Der diesjährige Oscarfavorit heißt „The Power of the Dog“, ist ein wundervoller Western, der erste Film von Jane Campion seit gefühlt den 90ern und erzählt von Männlichkeit und Mythen, Vorbildern und Verlust, Sucht und Suche…

Bei den Oscars wurde er zwar noch auf der Zielgeraden vom liebenswerten, wohlfühligen, aber doch relativ austauschbaren Publikumsliebling „Coda“ überholt, bleibt „The Power of the Dog“ bei mir persönlich wesentlich weiter oben im Rennen. Der entschleunigte Western hat moderne Themen, eine Menge Mut, eine klassische Tragweite und ellenlang Emotionen, Gefühl und… Stil. Campions Art ist einzigartig und nie so trocken und zäh, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Das Schauspielensemble bietet en masse wohl zweifellos die beste Leistung des Jahres. Der Score ist Gänsehaut und über jeden Konkurrent erhaben. Die Kamera ist vollendet veredelte Spitzenklasse. Technisch und darstellerisch ist das kaum zu toppen. Zwischen Arthouse und (intimer) Epik. Bewegend, überlegt, überlegen. Für mich ohne frage schon jetzt ein Klassiker in seinem Genre. Selbst wenn manch eine Metapher etwas plump wirkt für das ansonsten dermaßen fein verwobene Konstrukt. Leichter Schwermut. Tiefergehende Eleganz. Männliche Makel, Schwächen wie und Stärken. Klischees werden unterlaufen, Überraschungen werden zu Erleuchtung, Jungs zu Männern. Der klare Blick einer Frau und Regiekönnerin, die über all die Jahre und Jahrzehnte nichts an ihrem Können verloren hat. In jeder Szene stecken hunderte Details, in jedem Detail genug Bedeutung für drei Filme von Til Schweiger. Aus furchigen Gesichtern werden Landschaften, in Landschaften treffen sich Wahrheit, Fantasie und Bedeutung. Ein kerniger, kraftvoller Film, in den es sich lohnt sich zu verbeißen und jederzeit wach zu bleiben. Zeitlos und packend zaghaft. 

Fazit: intime wie zugleich emotional epische Westernballade von Meisterregisseurin Jane Campion. Glorreich gespielt an allen Ecken und eindringlich viele Enden der Männlichkeit eingefangen. Dreckig, menschlich und nachdenklich. 

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