Sonderlich dolle Geheimnisse gibt es mit der Charakterstudie des mexikanischen Autors und Regisseurs Michel Franco wahrlich nicht zu enthüllen. Gefühlte 60 Minuten sitzt ein Mann teilnahmslos am Strand und in den letzten 10 Minuten erfährt man, warum das so ist.
Das hätte man auch einfacher haben können.
Neil (Tim Roth) und seine Schwester (Charlotte Gainsbourg) befinden sich mit ihren beinahe erwachsenen Kindern in einem Luxusressort in Acapulco. Als sie die Nachricht vom Tod ihrer Mutter ereilt, reist die Familie umgehend nach London zurück. Neil bleibt jedoch unter dem Vorwand eines verloren gegangenen Reisepasses, mietet sich in ein billiges Hotel ein und gibt sich dem Müßiggang eines Aussteigers hin…
Da hängt er also nahezu freudlos im vermeintlichen Urlaubsparadies ab, gekühlte Biere stets griffbereit neben sich und schon bald umgeben von der einheimischen Kioskbesitzerin Berenice (Iazua Larios), die man im Vorbeigehen im Hotelzimmer oetkert. Die ihm lästig erscheinenden Anrufe der Schwester kontert Neil mit weiteren Lügen, bis die Dame, nach Antworten suchend, wieder vor ihm auf der Matte steht.
Aber auch in dieser Situation geht Neil dem Konflikt aus dem Weg, indem er schweigt. Wie es innerhalb der Handlung ohnehin über weite Teile der Fall ist.
So eine grundlegende Lethargie ist auf Dauer schon reichlich frustrierend, weil sich halt rein gar nichts ereignet. Dass zwischenzeitlich ein krimineller Akt mitten am Badestrand vollzogen und mit ähnlicher Gleichgültigkeit quittiert wird, ist nur ein weiteres Puzzleteil in Richtung Auflösung, welche gar nicht so schockiert, wie eventuell beabsichtigt.
Denn die Hauptfigur lässt genauso kalt wie die anberaumte Kritik in Richtung Ausbeutung und Tourismus. Oder, um es mit der Bildsprache des Regisseurs zu umschreiben: Neil kann keine Schweine mehr sehen und möchte eigentlich auch von keinem mehr behelligt werden.
Passend zur lahmarschigen Inszenierung gibt sich Franco fast durchweg statischen, recht langen Einstellungen hin, worunter viele Szenen, wie das umständliche Unterzeichnen eines Vertrages auch mal ein, zwei Minuten beanspruchen können. Es sind Momentaufnahmen ohne jegliche Wirkung, eine Ansammlung von Nichtigkeiten, die man locker auf einen Kurzfilm hätte zusammenstauchen können.
Derweil übt sich Roth in darstellerischer Zurückhaltung und bringt zumindest auf den Punkt, was seine Figur im Grundlegenden ausmacht. Die übrigen Mimen performen zweckdienlich, wobei eine Gainsbourg in den wenigen Momenten auch durch jede andere Keifnudel hätte ersetzt werden können. Das Ausbleiben eines Scores muss fast nicht mehr erwähnt werden, - da hätte es womöglich emotionale Anhaltspunkte über die Bilder hinaus geben können.
Der einsetzende Abspann nach 76 Minuten liefert eine regelrechte Erlösung, denn zwischen Urlaubsidyll, wartenden Taxifahrern und nicht immer warmen Duschen bleibt am Ende nur eine Erkenntnis: Soll er doch machen, - na und ?!?
3,5 von 10