iHaveCNit: Julie – Eine Frau gibt nicht auf (2024) – Éric Gravel – Plaion Pictures
Deutscher Kinostart: 07.03.2024
gesehen am 19.03.2024 in OmU
Mal Sehn Kino Frankfurt – Reihe H, Platz 10 – 18:00 Uhr
Französische Sozialdramen, die einen Einblick in lebensnahe und banale Themen geben, gefallen mir durchaus sehr. Durch Zufall hat sich so für mich erst vor kurzem Èric Gravels „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ erschlossen, der mein Interesse wecken konnte und mit Laure Calamy eine Darstellerin in der Hauptrolle bietet, die mich bereits in „Mein Liebhaber, der Esel und Ich“ begeistern konnte. Auch wenn dieser Film eher eine persönlich inspirierende Komödie ist, ist Laure Calamy dort auch notgedrungen auf das Improvisieren eigentlich anders geplante Ereignisse angewiesen wie auch bei „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“, der durchaus ein kleines Highlight des März ist.
Julie Roy ist alleinerziehende Mutter und lebt gemeinsam mit ihren beiden Kindern in einer kleinen Stadt außerhalb von Paris. Ihr Alltag ist besonders mit der heißen Nadel gestrickt. Während die finanzielle Unterstützung durch Ihren Ex-Mann ausbleibt, ist sie ganz besonders auf den Job als Reinigungsfachkraft in einem Pariser Luxushotel angewiesen, für den sie täglich mit dem Zug pendelt und dafür auch bereits in den frühsten Morgenstunden ihre Kinder in eine Obhut geben muss. Inmitten großer Streikwellen, die 2019 den öffentlichen Verkehr zum Erliegen kommen lassen, scheinen sich für Julie die Ereignisse zu überschlagen, weil sie auch noch mitten in der Bewerbungsphase für einen lukrativen Job ist und einige Termine in ihren Alltag unterbringen muss.
Mit einer rasanten Inszenierung, einem schnellen, dynamischen Schnitt und Kameraeinstellungen, seinem treibenden Soundtrack und einer kurzen Laufzeit von knapp 85 Minuten ist „Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ ein unfassbar schneller und rasanter Film, der darüber hinaus einen unfassbar starken Spannungsaufbau bietet, selbst wenn nur einfache, banale, alltägliche Dinge passieren und wir dem nervenzerrenden, brutalen und zerreißenden Alltag von Julie begleiten, die wunderbar von Laure Calamy gespielt wird und damit den Spagat alleinerziehender Mütter, deren finanzielle Situation mit der heißen Nadel gestrickt ist und als prekär bezeichnet werden kann. Durch die Inszenierung und das Tempo können selbst kleinste Details und Entscheidungen ein unangenehmes Spannungsgefühl auslösen, die das Gefühl vom Rücken an die Wand als auch das Stehen am Abgrund sehr immersiv vermitteln.
„Julie – Eine Frau gibt nicht auf“ - My First Look – 9/10 Punkte