Review

Das brasilianische Sozialdrama weist dem Titel gemäß tatsächlich einige Parallelen zum klassischen Knastfilm auf und erinnert aufgrund einiger moralischer Aspekte entfernt an „Die Verurteilten“. Allerdings ist das Werk von Regisseur Alexandre Moratto erschreckend nah an der Wirklichkeit angesiedelt.

Mit drei weiteren, etwa gleichaltrigen Typen wird der 18jährige Mateus (Christian Malheiros) vom Land nach São Paulo gebracht, wo sich die vier einen ordentlichen Verdienst für ihre Familien erhoffen. Sie landen auf dem Schrottplatz von Luca (Rodrigo Santoro), der schon bald sein wahres Gesicht zeigt, indem er die Jungs wie Gefangene schuften lässt, ihnen die Dusche verwehrt und auch körperliche Züchtigung anwendet. Mit der Zeit arbeitet sich Mateus zum Handlanger Lucas hoch und gerät damit in ein moralisches Dilemma…

Formen von Ausbeutung sind weltweit anzutreffen, doch in Brasilien scheint es ein regelrechtes Netzwerk von Menschenhändlern zu geben. Der Fluchtgedanke ist natürlich nahe liegend, doch wenn ein Flüchtiger von zwei Polizisten zurückgebracht wird und anschließend die Familien ins Visier geraten, entfaltet sich eine hilflose Ohnmacht, welche sich unweigerlich auf den Betrachter überträgt. Der Stoff wird eindringlich und vor allem authentisch dargeboten, angenehm schnörkellos in Szene gesetzt und von einer treffend zurückhaltenden Musik untermalt.

Da die Geschichte aus Sicht Mateus geschildert wird, zerfasert die beklemmende Grundstimmung im Verlauf ein wenig, zumal die übrigen Arbeiter kaum über Attribute wie weinerlich oder aggressiv hinaus kommen. Ihre Belange und somit das Kollektiv der modernen Sklaven geraten weitgehend in den Hintergrund, während die zwiespältige Beziehung zu Luca vermehrt in den Fokus gerät und Mateus immer mal wieder mit Privilegien geködert wird. Indes werden Fragen um Loyalität und Gier in den Raum gestellt, während die Mechanismen des globalen Menschenhandels bruchstückartig aufgedeckt werden.

Die Darsteller sind absolut treffend besetzt und Malheiros, der sein Debüt ebenfalls unter der Regie von Moratto im preisgekrönten „Socrates“ feiern durfte, liefert ebenso eine Glanzleistung ab wie sein deutlich erfahrener Kollege Santoro. Aber auch die übrigen Mimen performen grundsolide.

„7 Gefangene“ ist beileibe kein Werk um trübe Gedanken zu vertreiben, im Gegenteil. Doch der Stoff nimmt rasch in Beschlag, er wird intensiv, jedoch nie effekthascherisch vorgetragen, Klischees werden weitgehend ausgeklammert und bei alledem sind dennoch einige spannende Vorgänge auszumachen, welche die 93 Minuten definitiv sehenswert gestalten.
Knapp
8 von 10

Details
Ähnliche Filme