Ursprünglich Killing Field betiteltes Projekt als Bestandteil eines 3-Pictures-Deals zwischen Fleißarbeiter Bruce Willis und seinem Stammstudio EFO, wobei #1 Out of Death bereits zum Vergnügen aller Beteiligten, inklusive natürlich der Zuschauer erschienen ist und man von #2 Run of the Hitman außer dem Stuntcasting mit noch Scott Adkins und Til Schweiger bislang außer eben der Ankündigung nichts gehört hat; von keinen der drei Videothekenhelden übrigens. Der vorliegende Survive the Game wurde dabei erneut (aus Steuer- und damit auch Kostengründen) in Puerto Rico gedreht, was weniger der entscheidende Faktor ist, sondern dass der Film aufgrund des neugewählten Titel, dem Zusatz von Chad Michael Murray als eigentliche Hauptrolle und dem Schauplatz einer abgeschiedenen Farm frappant an den auch vorhergehenden (Action)Thriller Survive the Night (2020) mit beiden Darstellern erinnert. Déjà-vu allerorten, was zuletzt auch für das Seherlebnis und entsprechend die filmische Qualität mit gilt:
Wegen dem zu stürmisch angegangenen Versuch einer Verhaftung bei einem Drogendeal geraten die Polizisten Detective David Watson [ "I'm not old. But my partner is a little young.": Bruce Willis ] und sein Partner Cal [ Swen Temmel ] in eine Schießerei mit Mickey [ Zack Ward ] und seiner Freundin Violet [ Kate Katzman ], die nach einer wilden Verfolgungsjagd durch die Einöde auf die ansonsten verlassene Summer Canyon Farms, auf der nur noch der junge Witwer Eric [ Chad Michael Murray ] lebt. Als Mickey seinen Kollegen Francis [ Michael Sirow ] die Position durchgibt, wimmelt das Anwesen bald von herbeigerufenen Schergen, die die Polizisten und den Ex-Militär Eric unter Beschuss nehmen.
"Well, I've gotta say, I didn't expect a shit show quite like this."
White Trash regiert hier wieder, die Figuren schlecht frisiert, oftmals ungepflegt wirkend, die Umgebung auch schmuddelig bis ärmlich und entweder mit preiswerter Natur oder gleich mit Graffiti verzierten Abrissbauten gefüllt. Der Schauplatz abgelegen und irgendwo auch außerhalb der Zivilisation, die Personenanzahl gering und zu einem Gutteil mit uninteressantem Statistenmaterial aus der Kuhbläke von weit weg und ganz nah gefüllt. (Der dritt Genannte und EFO-Regular Temmel ist der jugendliche Freund der Multimillionärin und 'Investor Actress' Meadow Williams, einer der Busenfreundin von Lala Kent, die wiederum mit Randall Emmett verbandelt ist, der gegen Geld auch Williams schon Rollen zugeschanzt hat; eine Hand wäscht die andere demnach, eine ganz große Mischpoke, die hier vonstattengeht.) Das Verbrechen (entsprechend) allerorten, die Kriminalität als der einzige Ausweg und die Motive mit der sattsam bekannten Geldgier umfassend umschrieben, während sich Willis als fast Einziger diesem Unrat entgegenstellt und das auch schon der Pitch für den Verkauf und mehr natürlich auch nicht nötig ist. Willis wird nicht jünger und er wird auch nicht ehrgeiziger, hier kennzeichnet das sogar seine Rolle, die bei der eröffnenden Drogengabe zwar im Hintergrund lauert, aber lieber Verstärkung rufen würde und abwarten und weiter die Dinge aus der Ferne betrachten und weiter die ruhige Kugel schieben; ihm das aber nicht vergönnt bleibt, weil der junge unerfahrene Kollege hinter dem Steuer auf 'Zugriff' drängt und mit der Waffe im Anschlag losmarschiert.
Folglich gibt es bald eine Schießerei, eine kleine und kurze, die auch noch zerdehnt wird und halbiert, damit es nach mehr aussieht und man die Beifügung zum Actionthriller gelten machen kann und sich die darauf freuende Klientel auch mit Ausleih- und Kaufgebühren revanchiert. Es gibt auch eine Autohatz mit 30 - 40 Meilen die Stunde, das Treten auf dem Gaspedal und das Heizen über die Landstraßen, eine Verfolgungsjagd mit zuckenden Bildern, die wie der gesamte Film erneut und dies nach Out of Death aussehen: eine völlig unnatürliche Bildgebung, als ob im Entwicklungslabor der Eimer mit den Farben schlecht geworden wäre oder gleich explodiert. Vielleicht ist auch nur der Filter auf Anschlag, das Blau ist überzogen, das Grün irgendwie recht dunkel, das Gelb viel zu grell, die Palette sieht ständig unecht aus und wie nicht gekonnt und viel gewollt. Immerhin passiert die ersten 20 Minuten relativ viel; Konfrontation, Flucht, ein ordentlich verschnittener Dreikampf, bei dem man wenig erahnt und noch weniger sieht, eine Geiselnahme, ein Standoff, dann werden erneut die Beine in die Hand genommen und durch die Pampa gerannt und sich aus dem Kugelhagel herausmanövriert.
Für einen weiteren Moment natürlich nur, sonst wäre der Film in seiner Askese dann schon zu Ende; so wird die Kavallerie angefahren und die Flüchtenden oder sich Versteckenden zurückgetrieben und dasselbe bedürftige Spiel erneut und abermals gespielt. Hasche auf der Farm, wenigstens das Anwesen ist (von oben) ganz hübsch und vielfältig, auch wenn es von unten ein bisschen wie eine vor Jahrzehnten mal gestürmte Hanfplantage in Dannstadt-Schauernheim aussieht, die Protagonisten nicht gänzlich egal und die Prämisse zünftig. Die Produktion ist sogar minimal aufwändiger als die letzten Arbeiten mit dem Willi, die Schar der Schergen auf vielleicht das Doppelte wie sonst, also 8 statt 4 angewachsen und der Leerlauf somit hinausgezögert und der Anteil an rumpeligen und verwackelten Fights signifikant vergrößert. Regisseur Bressack, der vom (Independent)Horror kommt, aber auch schon Beyond the Law (2019) mit Seagal und Co. gestemmt hat, versucht sich hier mit viel repetierender Bewegung im Haus, durch die Scheune und über die Plantage zu retten, ein Antäuschen an tatsächlicher Bedrohung im trockenen Gebaren, ein hölzernes Katz-und-Mausspiel, in der jeder der drei Männer auf der Habenseite jeweils mal in die Mittelpunkt kommt und sich die Zeit dadurch auf 90+ Minuten dehnt. Die Dialogarbeit wird auch gemächlich vorangetrieben, mal hier ein Fluch, dann da eine Warnung vor dem Kommenden oder der Anpfiff nach einer verpatzten Situation, sowie etwas taktisches Geplänkel zwischen Wald und Feld. Darstellerisch zentrierte Personen wie Temmel, Murray oder auch Willis – den man theoretisch nach dem ersten Shootout auch herausschreiben können – sind dabei solide unterfordert, Ward fällt durch die komische Frise auf und das aufgewanzte, auch etwas Unwohlsein ausdrückende Gewicht.