Review

Autor, Regisseur und Nebendarsteller Miles Doleac dürfte sich nur ansatzweise mit typisch deutschen Mythen auseinander gesetzt haben. Denn für seinen Folk-Horror bemüht er die Figur des Cernunno, eine keltische Gottheit, welche als „der Gehörnte“ kurzerhand in den Schwarzwald verfrachtet wird. Dazu wird eine westgermanische Sprachmischung in die Runde geworfen, die irgendwo zwischen Althochdeutsch, Kölsch und Plattdeutsch angesiedelt ist.

Robin (Rachel Nichols) und ihr Mann Leo (Yohance Myles) reisen in den Schwarzwald, denn ihr soeben verstorbener Großvater Karl hinterlässt ihr seine Waldhütte, von der aus sie als Kind diverse Unternehmungen im weitläufigen Wald unternahm. Doch schon bald sieht sich das Paar mit einem Hexenkult konfrontiert, welches Blutopfer für den Herrscher des Waldes bereitstellen will…

Bereits während der Exposition wird man mit den drei Hexen bekannt gemacht, die dem titelgebenden Halbgott eine Schwangere opfern. Das Trio kommuniziert in einem teils lustig anmutenden Kauderwelsch altdeutscher Sprache, welche kurioserweise noch untertitelt ist. Deren Kleider eher mittelalterlicher Art sehen allerdings schick aus, während das Make-up für eine Kontaktlinse zwecks blinden Auges und ordentlich schäbige Zähne einen soliden Job macht.

Mit dem vermeintlichen Heldenpaar wird man recht schnell warm, zumal Nichols nicht nur aufgrund des Äußeren beizeiten den Jody-Foster-Gedächtnispreis gewinnen dürfte, auch ihr gelungenes Schauspiel tendiert in eine solche Richtung. Dass ausgerechnet Doleac als deutscher Jäger nicht so gut wegkommt, liegt an seiner recht hölzernen Performance, die im Grunde nur einen Gesichtsausdruck durchschimmern lässt und auch zwei Nebendarstellerinnen performen eher auf Amateurniveau, was wiederum zur Menschenjagd low carb passt.

Denn so richtig mitreißend oder gar blutig geht es nicht zur Sache. Früh fällt auf, dass Gewaltakte lediglich angedeutet und ins Off verfrachtet werden, es bleiben eher harmlose Einlagen wie Pfeiltreffer, Kehlenschnitt und ein paar Thüringer Würste in Ketchup, die wohl Innereien darstellen sollen. Immerhin totaler Verzicht auf CGI. Allerdings nicht beim hauptsächlichen Antagonisten, dem Gehörnten. Diesem werden leuchtend rote Klüsen beigemengt, was die Wirkung arg abmildert und auch seine Schilderungen in altdeutscher Melange muten eher unfreiwillig komisch an.

Erzählerische Überraschungen sind bei alledem kaum zu erwarten, wenn ein überschaubarer Kreis potenzieller Opfer durch einen austauschbaren Wald rennt, den die Macher irgendwo in Mississippi einzubinden gedachten, obgleich er im Vergleich zum Schwarzwald echt mickrig daherkommt. Statt ordentlicher Hatz und kompromissloser Auseinandersetzungen gerät der Showdown erneut viel zu geschwätzig, was den Reiz eines mystisch angehauchten Survival-Thrillers endgültig ausradiert. Und spannend ist er halt vorher schon nicht.
3,5 von 10

Details
Ähnliche Filme