Review

Es war klar, dass der kommerziell erfolgreiche Film „Battle Royale“ eine Fortsetzung kriegt. Leider war die Produktion völlig anderst als geplant. Obwohl die alte Crew grösstenteils wieder zusammenfand – was schliesslich eher Optimismus auf ein gutes Produkt bringt – gab es doch ein dramatisches Problem: Regisseur Kinji Fukasaku verstarb während den Dreharbeiten und sein Sohn Kenta Fukasaku übernahm den Regiestuhl. Ob das Ergebnis deswegen so ist wie es ist, werden wir nie wissen. Doch es scheitert grösstenteils schon am Drehbuch.

Als ich mir den Film zum ersten Mal angesehen habe, war ich begeistert – wurde die Story doch nicht einfach wiederholt, sondern schön fortgesetzt. Die Überlebenden aus dem ersten Teil, sprich hauptsächlich Nanahara, ist mittlerweile Terroristenanführer geworden und hat mit den Kindern die Schlacht gegen die Erwachsenen gestartet. Doch die Erwachsenen wissen sich zu wehren. Mit der Gründung der „Battle Royale 2“ schickt man erneut eine Schulklasse auf die Insel. Jedoch mit dem Ziel Nanahara zu beseitigen..

Meine Güte, kann mal jemand Gehirn vom Himmel schmeissen? „Battle Royale 2“ ist nur noch lächerlich, dass es einen echt schmerzt. Denn spätestens beim zweitenmal ansehen ist der Film reiner Bullshit. Wieso? Wegen der kompletten Logik, der Story, der gezeigten Szenen..

Man soll zwar nicht ständig mit dem Vorgänger vergleichen. Wenn aber – als direkte Fortsetzung – alles ins Lächerliche gezogen wird, lässt sich dieser Schritt nicht umgehen. Bereits im ersten Teil waren die Figuren eher charakterlos, hatten jedoch gewisse Sympathien und man konnte die Figuren – auch dank Rückblenden – wenigstens ein wenig verstehen. Darauf wird im 2. Teil glänzlich verzichtet. Zwar versucht man zwei Figuren ein wenig zu charakterisieren, aber so schlecht, dass man diese Szenen als überflüssige Füllszenen ansehen kann. Die Charaktere aus Teil1 plötzlich von den Angsthasen in bedrohliche Terroristen zu verwandeln, welche aber immer noch eine Selbstfindungskrise durchleiden = billig. Der neue Lehrer als Ersatz von Kitano spielt zwar überzeugend seine Rolle als Psychopath, ist aber schlussendlich halt doch nur ein billiger und unnötiger Abklatsch.

Charakter = Für die Mülltonne

Nun zur Story. Nanahara und seine Crew verschanzen sich – natürlich schön nach Bin Laden-Vorbild – versteckt. Naja nicht so gut versteckt, sie sind auf einer simplen Insel. Wieso man diese nicht einfach zusprengt? Ist doch egal, solange man Schulklassen verwenden kann, obwohl ständig Erwachsene in grossen Zahlen sterben müssen. Ja, die Terroristen sprengen einfach mal in Grossstädten ganze Häuser. Dass es dabei auch unschuldige Opfer treffen kann, beispielsweise Kinder welche sich ebenfalls in gesprengten Häusern befinden – ist auch mal egal. Und der grösste Schritt: Man kann die Angst und den Hass von Japan vor der USA verstehen. Doch grundsätzlich in jeder 5. Szene dies aufzuzeigen? Die Länder mehrmals aufzuzählen, welche bereits gegen die USA gekämpft haben, mag interesant sein, jedoch hä? Hat nichts mit der Geschichte zu tun. Oder die Angst dass sich die USA bald einmischt und und und.. lächerlich! Da hätte der Regisseur gleich nen Anti-Ami-Film drehen können, aber was hat dies schon mit einer Battle Royale zu tun?
Und dass am Anfang, fast schon remakeartig, die neuen Regeln von BR2 gezeigt werden, ist schön und gut. Hätte spannend werden können. Leider ist nach ca. 45 Minuten völlig vergessen dass wir in einer BR sind und alles ist wieder für die Katz.

Story = Für die Mülltonne

Nun war Teil 1 auch durch das schöne Panorama und den Score ausgezeichnet. Die Musik wurde hier durch Weihnachtsmusik ersetzt – spielt auch zu dieser Zeit. Hübsch. Doch dann kommen wir zu den eigentlichen Regiearbeiten. Peinlich! Da wird – ganz nach James Ryan – die Insel angegriffen. Hier stirbt schon ein Grossteil der gesichtslosen Schüler, worüber man in diesem Moment – traurig, aber wahr – froh ist. Dann wird mit billigstem Handkamera-Style der Angriff gezeigt. Soll dies schockierend sein? Oh arme Kinder im Krieg? Die Meute spielt so schlecht und übertrieben, das Kriegsszenario ist so lächerlich gestaltet, dass man nur noch weinen möchte. Irgendwann entdecken Nanahara und Crew urplötzlich (dass bereits viele Minuten vorher einige abgeballert wurden, hat man wohl zufällig nicht gesehen) dass es sich um BR-Kids handelt. Oh Schreck, es sind Freunde! (Also schiesst man im Kampf gegen die Erwachsenen einfach mal grundlos auch Kinder ab, welche nichts mit BR zu tun haben und völlig ängstlich eine Insel angreifen ohne Kampfgeist.. logisch! Vielleicht passte einem ja die Frisur nicht). Und nun kommen wir ins Höhlensystem, wo sich der Film die nächsten paar hundert Minuten abspielt, mit den stets gleich langweiligen Ballereien. Splatter-Effekte gibt es hauptsächlich aus dem Computer. Der ganze Film ist also gedreht, als ob man einem Kindergarten die Süssigkeiten gestohlen hat.

Regiearbeit = Für die Mülltonne

Einzig und alleine bleibt der kurze Auftritt von Takeshi Kitano (in einer Rückblende) als Erinnerung.

Fazit: Battle Royale 2 ist Müll! Wäre die Story und die STÄNDIGE US-Feindlichkeit nicht schon schlimm genug (wenn Nanaharas Truppe mal schnell zwei Zwillingstürme in die Luft jagt, ok.. doch irgendwann ist genug), versucht man ein Kriegsszenario aufzubauen, welches so einfach mit diesen Kindsköpfen nicht funktionieren kann. Zu sehr fallen Ungereimtheiten auf. Zu sehr wird dem Film einfach jeden Sinn entzogen (plötzlich: Die traurigen Kinder von Afghanistan! Die Tat ist ja schrecklich, aber hä?) und viel zu viele Längen. Hätte man den Film auf das „BR2“-Gesetz konzentriert, hätte es was geben können. Jetzt ist es einfach Schrott, welcher auf dem Erfolg des ersten abkassieren konnte. Finger weg!

PS: Synchrofehler Nr.1: Nanahara hat die erste Battle Royale gewonnen! Na klar, davor war ja nie was, wir vergessen einfach mal die grundlegende Story vom ersten Teil mit den früheren BRs.

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