"Welche Sehnsüchte mögen einige in aller Stille hegen? Statt sie zu erfüllen, hocken wir hier zusammen und spielen Krieg."
Drei Jahre sind vergangen, seit Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara) und seine Freundin Noriko (Aki Maeda) dem Battle Royale entkommen konnten. Seitdem arbeiten sie als Terroristen und bekämpfen die Erwachsenen und ihr System. Daher ruft die Regierung ein neues Battle Royale Programm ins Leben. Erneut wird eine Schulklasse ausgewählt, die sich diesmal mit besserer Ausrüstung den Terroristen widmen soll. Drei Tage haben sie Zeit um Shuya und seine Bande, die sich auf einer Insel verschanzt haben, ausfindig zu machen und zu töten. Die Aufteilung geschieht in Pärchen. Entfernt sich der jewelige Partner zu weit oder stirbt er, aktiviert sich ein explosives Halsband. Unter den Schülern ist Shiori Kitano (Ai Maeda), die freiwillig teilnimmt, um sich an der Ermordung ihres Vaters und Lehrers Takeshi Kitano zu rächen.
"Battle Royale" konnte man, trotz aller exploitativen Action und der nicht völligst geglückten Filmstruktur, als zynische und gesellschaftskritische Satire sehen. Gerade die Tatsache, dass der Film Raum für multiple Interpretationsmöglichkeiten bietet, ist eine seiner großen Stärken. Im Bemühen, "Battle Royale" diesbezüglich zu toppen, verliert Kenta Fukasaku, Autor und Ersatz-Regisseur des während der Arbeiten des Films verstorbenen Kinji Fukasaku, allerdings die Bodenhaftung und jegliches Gespür für gekonnten Einbau politischer und sozialkritischer Elemente.
"Battle Royale II: Requiem" versucht sich an einem Mittelweg zwischen uninspiriertem Aufguss des ersten Teils und einer inhaltlichen Fortführung der Handlung.
Strukturell unterliegt der Film einer strikten Zweiteilung. Die erste Hälfte, in der die Schülergruppe gegen den zunächst gesichtslosen Feind anrennt, ist für die Handlung nicht wirklich relevant, bietet allerdings das höchste Tempo des Films. Die zweite Hälfte dient dann der Fortschreibung der eigentlichen Geschichte, wobei natürlich auch in dieser Filmphase nicht vergessen wird, in regelmäßigen Abständen eine blutige Actionszene einzubauen. Die zweite Hälfte ist auch die, die praktisch exklusiv zur Charakterisierung genutzt wird.
Die Geschichte funktioniert, ist allerdings wesentlich holpriger geraten als der ohnehin nicht immer nachvollziehbare Vorgänger. Zum geläufigen Kitsch und Klischees kommen nun zusätzlich klaffende Logiklücken sowie Charakterzeichnungen, die durch ihre Übertreibung kaum noch glaubhaft sind.
Die Anpassung der Battle Royale-Regeln an das neue Umfeld und der zwingenden Zusammenarbeit der Zweiergruppen, anstatt des gegenseitigen tötens, klingt nach einer spannenden Erweiterung. Die Abhängigkeit zueinander wird allerdings nur selten ausgespielt.
Da "Battle Royale II: Requiem" nun ohnehin mehr Wert auf schnörkellose und blutige Action setzt ist es erfreulich, dass der Aufwand dabei um einiges erhöht wurde. Häufige Explosions- und Feuereffekte befinden sich auf hohem Niveau, seltener eingesetzte digitale Effekte ebenso. Die Actionsequenzen sind rasant und mitreißend inszeniert, auch wenn das Ableben der meisten Charaktere emotional keine Regung provoziert.
Die hektische Kameraführung verleiht den Kampfszenen durchaus ein dokumentarisches Feeling und ist zweifellos ähnlichen filmischen Experimenten wie in "Der Soldat James Ryan" geschuldet, dessen inhaltliche Ähnlichkeiten beim Ansturm auf die Insel nicht von der Hand zu weisen sind.
Politische und sozialkritische Elemente sind zwar kaum noch vorhanden, zumindest etwas kontroverse Stimmung kommt aber wenigstens durch die Musik zustande. "Battle Royale II: Requiem" übernimmt das musikalische Konzept des ersten Teils und präsentiert seine harten Actionszenen zu klassischer Musikuntermalung. Auch die Texteinblendungen der gerade getöteten "Spieler" findet erneuten Einsatz.
Die Darsteller kämpfen mit ihren nicht sonderlich gut ausgearbeiteten Charakteren. Während die meisten sichtbar Schwierigkeiten haben, ein angemessenes Level zu erarbeiten, ist das überzeichnete Schauspiel von Riki Takeuchi gnadenlos grausig und beschämend.
Wie bei den meisten Fortsetzungen kann auch "Battle Royale II: Requiem" nicht mit seinem Vorgänger mithalten. Der Versuch von allem mehr und Besseres zu bieten gelingt nur bei den wuchtigen Actionszenen. Diese funktionieren dafür erstaunlich gut und halten die Hälfte der Laufzeit ein hohes Tempo. Einbrüche in Charakterzeichnungen und Erzählstruktur waren schon beim Vorgänger verschmerzbar. Das missen der sozialkritischen Schärfe, übermäßiger Logiklöcher und beschämender schauspielerischer Leistungen sind Schwachpunkte, die den zweiten Teil der Blutsaga verständlicherweise in ein schlechtes Licht rücken. Allerdings kann der Film dafür auf eine andere Weise ordentlich unterhalten. Knappe...
8 / 10