Ein Schocker, ein Brecher, der Aufsehen erregt hat, bleibt selten ohne Fortsetzung.
So auch geschehen mit „Battle Royal“, der jetzt mit dem Untertitel „Requiem“ das Schema erweitert wiederholt.
Da man aber einen überraschenden Plot nicht ganz einfach platt wiederholen kann, wurde hier geschickterweise eine Verbindung zum ersten Teil hergestellt, indem dessen Überlebende inzwischen jugendliche Terroristen geworden sind und von einer neuen BR-Gruppe aufgerieben werden sollen. Planmäßig kommen die Sprengsatzhalsbänder wieder zum Einsatz, die Delinquenten müssen paarweise agieren und scheiden aus, wenn ihr Partner stirbt.
Der Einsatz führt zu hübschen Kampfhandlungen, die mit der Handkamera gefilmt, an den „Soldat James Ryan“ erinnern, wenn die Soldateens den Inselstrand stürmen und unter Beschuss geraten. Aber die Prämisse trägt diesen Film leider nicht, da muss mehr handfester Hintergrund rein, also bricht nach einer guten Dreiviertelstunde ein moralinsaurer Botschaftsbrei über den Zuschauer herein, wenn die Überlebenden und die Terroristen anfangen, mal so richtig fett über ihre Lage und den Zustand der Welt (der Erwachsenen) zu philosophieren.
An sich ist das alles in dieser Utopie vielleicht gut und richtig, aber das wird mit so viel Verzweiflung und kindgerechtem Pathos zugeklatscht, dass der Zuckerschock schon alle danieder gestreckt hat, wenn der Film richtig zur Sache geht. Und es dauert, mit Rückblenden und allem, was dazu gehört.
Leider wird die durchaus brisante politische Lage Japans hier nur rudimentär in die Story eingearbeitet und die Angst vor der Übermacht der USA kommt auch zum Ausdruck, auch wenn das Land nicht offensiv genannt wird. Stattdessen fragt man sich, warum die Insel nicht gleich so richtig schön mit Raketen warmgeschossen wird, anstatt ein Spielchen daraus zu machen.
Für weiteres Rätselraten sorgt der saumäßig grimassierende und chargierende Lehrer der Gruppe (der Ersatz für Takeshi Kitano), dessen Motive schön kryptisch bleiben und der bisweilen Monologe absondert, die dann entsprechend absonderlich sind.
Genauso fragwürdig die Erstürmung der Insel am Ende durch Soldaten, die wie weilend die Deppen in Uniform zu Hunderten wie Schießscheiben auf die Jugendlichen zustürmen und wohl durch ihre bloße Zahl Eindruck schinden sollen. Die zu Beginn den Off-Kommentar sprechende Figur eines teilnehmenden Mädchens (die Tochter Kitanos) brächte zwar theoretisch Potential, da sie es auf den Anführer der Teenoristen abgesehen hat, aber zu brauchbaren Ergebnissen führt auch das nicht.
Ein angedeutetes „Butch-und-Sundance“-Ende schließlich wird durch einen Epilog dann zusätzlich entwertet, der auf einen eventuellen dritten Teil (gott bewahre) zusteuern könnte, wenn’s denn gar nicht mehr geht.
Ergo eine unzureichend durchdachte Fortsetzung, die zwar einige krasse Bilder vorweisen kann, aber schon bei der Einweisung der unwilligen Schüler durch simples Overacting und jede Menge Gehampel den letzten Nerv tötet, samt der Hoffnung, hier würde sich jemand halbwegs nachvollziehbar verhalten. Was dann auch nicht geschieht. Darauf ein Requiem, vielleicht eins von Mozart, das hat Klasse. (4/10)