Battle Royale II – Requiem
Als ich damals Battle Royale gesehen habe, war ich begeistert von der schonungslosen Sozialkritik, der einfühlsamen Darstellung von Freundschaft und der expliziten und gut dargestellten Gewalt. Nun war ich gespannt, ob Requiem daran anschließen kann.
Zur Story:
Shuya, der Überlebende aus Teil 1, hat allen Erwachsenen den Krieg erklärt. Mit seiner Terrorgruppe "Wild Seven" übt er Anschläge aus, die zum Ziel haben, das Battle Royale-Gesetz abzuschaffen. Im Augenblick hält er sich mit seinen Anhängern auf einer Insel verschanzt.
Ein neues Programm, dass zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen soll, wird entwickelt. Eine Verbesserung des BR, genannt BR-II. Eine Schulklasse von einer Problemschule wird auserwählt. Alle bekommen explosive Halsbänder umgelegt. Soweit nichts neues. Doch hier die erweiterten Regeln: die Schüler spielen in Zweierteams. Die Bänder explodieren, wenn der Partner stirbt oder wenn er mehr als 50 Meter von einem entfernt ist. Die Schüler werden auf die Insel geschafft, auf der Shuya und seine Leute hausen. Ihre Mission ist es, Shuya zu liquidieren.
Die Tochter von Kitano, dem Lehrer der damals von Shuya erschossen wurde, meldet sich freiwillig für BR-II. Sie will ihren Vater rächen...
Ich muss sagen, ich war schwer enttäuscht. Battle Royale II bietet so viele Kritikpunkte, dass es schwer ist, etwas gutes dazu zu sagen. Hervor gehoben seien dabei vor allem die öden Kriegsfilm-Klischees, die horrenden Logiklöcher und der unverschämte Ideenklau.
Fangen wir gleich mal an:
Wenn die Schüler sich vor der Schlacht ihre Liebe gestehen ("Ich habe dich immer geliebt, das wollte ich nur noch sagen.") oder Sterbende noch minutenlang von Reue und Kindheitserinnerungen faseln, bevor sie endlich den Löffel abgeben, dann sträuben sich dem Zuschauer die Nackenhaare. Solche Klischees erleben wir in BR-II oft.
Logiklöcher (2 Bsp.):
- Wenn es das Ziel ist, Shuya und seine Gefolgschaft auszuschalten, warum erst eine Truppe auf die Insel schicken, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eh scheitern wird? Warum nicht die Insel bombardieren?
- Irgendwie müssen die Wild Seven doch auf die Insel gekommen sein. Warum flüchten sie nicht? Sie wirken den ganzen Film über wie Gefangene, die sich gegen die Armee wehren. Und mal angenommen, sie sind auf die Insel gesteckt worden (was aber total unlogisch ist): wie zur Hölle führen sie dann ihre Terroranschläge aus?
Ideenklau:
Angefangen bei den Waffen, die die Teilnehmer des BR-II bekommen. Diese ähneln nämlich extrem den MG's aus "Starship Troopers". Wo wir gerade bei ST sind, auch die Musik während der Landung am Strand der Insel klingt ähnlich der Musik, die läuft, als die Infanterie bei ST auf Klendatu abgesetzt wird.
Apropos Landung: die komplette Szene scheint aus "Saving Private Ryan" übernommen. Angefangen beim Übergeben der Soldaten in den Landungsbooten, über das frühe Feuer des Gegners, über die Panzersperren am Strand bis hin zur wackeligen Handkamera. Alles ist kopiert. Sollte dies eine Huldigung sein (kann ich mir aber nicht vorstellen), dann funktioniert sie nicht, sondern wirkt nur als völliges Plagiat.
Auch der Schlussmonolog schien mir schon bekannt zu sein. Klingt ähnlich wie am Ende von "Terminator 2", von wegen "es gibt eine Zukunft" bla bla bla...
Aber als wären das schon alle Kritikpunkte...
Die Vorhersehbarkeit ist nervig. Schon als die Schüler ihre Ausrüstung bekommen kann man sagen, wer übrig bleibt und wer ins Gras beißt.
Noch zu erwähnen: was mich massiv gestört hat, waren die überdeutlichen CG-Blutfontänen bei fast allen Schußwunden. Dabei sehen die elektrisch gezündeten Blutpäckchen doch sooooo viel besser aus!
Fazit: Wo BR-I ein sozialkritisches und gewalttätiges Porträt über die Verkommenheit der Gesellschaft, aber auch über die Grenzen von Freundschaft war, verkommt BR-II zu einem klischeeüberladenen Metzel-Kriegsfilm, in dem es jede Menge Knall und Bumm, aber keine Story und keinen tieferen Sinn gibt. Aber weil das ganze teilweise recht aufwendig und schön anzusehen ist, und weil die Schauspieler z.T. überzeugen können, gibts noch 3 von 10 Punkten.
Gruß, enemy