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Ginge es nach den französischen Autoren, Regisseur und Hauptdarsteller Fabrice Eboué, wäre der Preis für ein Kilo verarbeiteten Veganer mit 60 Euro noch relativ günstig und sogar erschwinglicher als ein Kilo Black Angus Roastbeef vom Bio-Bauern. Obgleich der Stoff um politische Inkorrektheit bemüht ist, bekommen beide Lager ihr Fett weg , doch nach einigen gelungenen Ansätzen geht ihm merklich die Puste aus.

Seit rund 20 Jahren betreiben die Eheleute Vincent (Fabrice Eboué) und Sophie (Marina Foïs) eine kleine Metzgerei, die genauso schlecht läuft wie ihre Partnerschaft. Als auch noch militante Veganer ihren Laden überfallen, sieht Vincent bereits das Ende nahen, bis er, eher per Zufall, einen der Täter erkennt, überfährt und nach kurzem Zögern zu Fleischware verarbeitet. Das Produkt, welches als iranisches Schweinefleisch verkauft wird, mutiert zum Kassenschlager, erfordert allerdings auch regelmäßig neue Opfer…

Während einigen Veganern der Vitamin B12-Mangel förmlich ins Gesicht geschrieben steht und sich die vermeintlich unausgewogene Ernährung in stetigem Zetern und Belehrungen äußert, kommen Fleischfresser, die im Sommer kiloweise Billigfleisch auf den Grill klatschen, spätestens im Winter nicht mehr die Treppe hoch und verenden am Herzkasper. Eboué überspitzt bewusst beide Parteien und greift zahlreiche Punkte auf, die nur allzu vertraut erscheinen, einschließlich der Frage, warum vegetarische Ersatzprodukte stets am fleischlichen Original angelehnt sind.

Getragen wird die teils grotesk anmutende Horrorkomödie ganz klar vom starken Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller, die so wunderbar durchschnittlich daherkommen, dass die Jagd auf einige Opfer zum skurrilen Possenspiel wird. Dabei steht das Hackebeil natürlich an erster Stelle, in unübersichtlichen Situationen darf es auch mal das Gewehr richten. Eine Splatterorgie sollte man jedoch nicht erwarten, obgleich hier und da Körperteile in der Szenerie auftauchen, jemand mit dem Auge im Haken landet oder ein Beil in der Stirn versenkt wird.

Storytechnisch präsentiert sich der Stoff eher ein wenig bruchstückhaft, was spürbar zulasten potenzieller Spannung geht. Zunächst ist die Entwicklung hin zum mörderischen Paar glaubhaft und dramaturgisch ausgewogen dargestellt, doch spätestens nach dem zweiten Mord fehlt ein wenig ein roter Faden und beinahe episodenhaft gibt es hin und wieder Morde, Treffen mit bevorstehenden Opfern, dem befreundeten Fleischerpaar oder dem belehrenden Schwiegersohn in spe. Hierzu passt auch der Showdown, welcher viel zu überhastet abgehandelt wird und einige Kontinuitätslücken aufweist, die den Spaß letztlich ein wenig schmälern.

Somit reiht sich die Komödie zwar in ähnlich gelagerte Geschichten wie „Dänische Delikattessen“ ein, erreicht aber nie dessen Qualität, da es an einer dramaturgisch ausgereiften Erzählung als auch an noch mehr Seitenhieben und Biss mangelt. Dank der sympathischen Mimen und einiger grotesker Situationskomik sorgen die rund 87 Minuten für Kurzweil und den berühmten Happen für Zwischendurch, der, fleischlich oder vegan, ganz fluffig runtergeht.
6 von 10

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