In der Hall of Fame großer Boxer ist ein Harry Haft zwar eher weiter hinten vertreten, obgleich er einen Kampf gegen Rocky Marciano bestritt. Seine Karriere begann allerdings auf recht ungewöhnliche Weise im Konzentrationslager Auschwitz, was der renommierte Regisseur Barry Levinson („Rain Man“) in angemessen düstere Bilder zu verpacken weiß.
1941 verliert der Jude Harry Haft (Ben Foster) seine Jugendliebe Leah (Dar Zuzovsky) aus den Augen. Er wird nach Auschwitz deportiert und von Oberstürmführer Schneider (Billy Magnussen) als Boxer für Schaukämpfe ausgewählt. Während sich Harry bei diesen Kämpfen um Leben und Tod beweisen muss, sucht er 1949 die Chance, als Profiboxer groß herauszukommen. Mithilfe des Journalisten Emory (Peter Sarsgaard) hofft er auf einen Medienrummel, um damit auf ein Lebenszeichen von Leah zu zielen…
Aufgeteilt ist die Erzählung in drei Zeitebenen, welche 1963 an einem Strand mit einem alt wirkenden Harry einsetzt. Während der Kern seiner Sportkarriere Ende der 40er im Mittelteil einen größeren Raum einnimmt, sind die Bilder zur Zeit des Konzentrationslagers in Schwarzweiß gehalten, was den Schrecken dieser Phase jedoch nur geringfügig abschwächt.
Foster nahm für diese Szenen rund 28 Kilo ab und wirkt geradezu ausgemergelt, während er für die Jahre als Profiboxer wieder 22 Kilo zunahm, was schon allein für eine intensive Auseinandersetzung mit seiner Figur spricht.
Der Boxsport selbst steht nicht wie bei typischen Sportfilmen im Vordergrund. Zwar ist der Kampf gegen Marciano als kleines Event vorhanden und für zynische Auflockerungen sorgt ein Danny de Vito als kurzfristig einspringender Trainer, doch vielmehr geht es um Schuldfragen infolge einer zweifelhaften Wahl. Harry hatte zum Überleben keine andere Chance, als seine Leidensgenossen niederzumetzeln und doch muss er damit fertig werden, Auschwitz mit diesem Trauma überlebt zu haben.
Die Charakterstudie über Schuld und dem damit einhergehenden Umgang beinhaltet nicht nur eine erstklassige Darstellerriege um Foster, Skarsgaard und Vicky Krieps, sondern lebt von seinen starken Bildern, die glücklicherweise nie auf Pathos oder Effekthascherei abzielen. Untermalt von einem routinierten Score von Hans Zimmer kommt es im Zusammenhang mit Vicky Krieps zu einigen ruhigen, emotionalen Momenten, die bis in die 60er hinein eine interessante Entwicklung liefern. Gleichwohl hinkt die Dramaturgie im Mittelteil ein wenig, denn sobald die bedrückende Zeit im KZ mehr und mehr in den Hintergrund gerät, geht ein wenig Suspense verloren.
In Sachen Boxsportfilm fallen einige Parallelen zur einstigen Verkörperung von Robert de Niro auf, während inszenatorisch ein angenehm bodenständiger, aufs Wesentliche konzentrierter Stil vorherrscht. Trotz kleiner Längen fasziniert vor allem das Spiel Ben Fosters, der aus seiner Figur einen überaus ambivalenten Charakter formt, der einem den Zugang nicht immer einfach macht und dennoch das Interesse herauskitzelt, um der Lebensgeschichte konsequent folgen zu wollen.
7 von 10