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Was auf den ersten Blick wie eine groteske Variante von „Einer flog über das Kuckucksnest“ anmutet, entpuppt sich als Arthaus-Drama, welches in seiner Intention sehr vage bleibt. Was verbindet Mensch und Tier? Inwieweit ist es einem Menschen innerhalb gesellschaftlicher Konventionen gestattet, sich zu transformieren?

Jacob (George MacKay) hält sich für einen Wolf. Er begibt sich freiwillig in eine Heilanstalt, in der ausschließlich junge Patienten untergebracht sind, die sich für Tiere halten. Während Verhaltenstherapeut Dr. Mann (Paddy Considine) zusehends zweifelhafte Behandlungsmethoden anwendet, freundet sich Jacob mit der Langzeitpatientin Cecile (Lily-Rose Depp) an, die ihm Hoffnung gibt, eines Tages seine Triebe ausleben zu können…

Mit dieser europäischen Co-Produktion (Irland, Polen, Großbritannien) dürfte Autorin und Regisseurin Nathalie Biancheri gewiss nur ein Nischenpublikum ansprechen, obgleich der Titel auch reine Horrorfans aufhorchen lassen könnte. Bis zu einem gewissen Grad ist der Stoff einigermaßen einnehmend, weil die Prämisse schlicht ungewöhnlich erscheint: Menschen wähnen sich im Körper eines Tieres, wodurch Jacob in der Anstalt auf ein Pferd, ein Eichhörnchen, einen Hund und Katzenfrau Cecile trifft, wobei Letztere eher selten ihren tierischen Trieben nachzugeben scheint.

Auch Jacob wirkt anfangs noch relativ bodenständig innerhalb eines Tollhauses, in dem zwei Ärzte sehr unterschiedlichen Heilungsansätzen nachgehen, was letztlich für Konfliktpotential sorgt. Im Grunde aber auch dafür, nicht komplett das Interesse am Treiben zu verlieren, welches im Verlauf immer mehr verwässert und seinen Faden zu verlieren droht.
Zwar werden noch Motive von „Aufstand der Tiere“ untergebracht und die unvermeintliche Romanze erinnert recht deutlich an „Die Schöne und das Biest“, doch die entscheidenden Figuren bleiben zu oberflächlich. Es gibt keine wirklichen Charakterentwicklungen.

Das ist vor allem schade um und wegen der drei wesentlichen Mimen. Allen voran George MacKay, der über einige Zeit mit einem Coach für spezielle Bewegungsabläufe arbeitete, damit der menschliche Gang eines Wolfes auch tatsächlich einem solchen ähnelt. Auch Paddy Considine bringt die notwendige Präsenz mit, um seinen Therapeuten möglichst verachtenswert erscheinen zu lassen. Lily-Rose Depp performt gewohnt nuanciert, sie musste sich jedoch einem Styling unterziehen, welches sie beinahe unscheinbar aussehen lässt, wodurch ihre Besetzung eher austauschbar anmutet.

Letztlich gibt es einige Momente, die durchaus eine merkwürdige und gleichermaßen ansprechende Atmosphäre erzeugen, aber nur wenige, die auch Spannung aufkommen lassen.
Handwerklich und darstellerisch einwandfrei, bleibt die Erzählung oftmals zu oberflächlich, wozu auch die wenig überraschende Pointe passt.
Vielleicht hätte es geholfen, den Wolf ab und an mehr sprechen denn heulen zu lassen…
5 von 10

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