Monster-Horror in Höhlen setzte 2005 neue Maßstäbe mit „The Descent“ und wer mit seinem Werk eine recht ähnliche Richtung einschlägt, muss sich zwangsläufig mit der Blaupause moderner Creature Features messen lassen. Das scheint dem britischen Regisseur Dan Allen zunächst so halbwegs zu gelingen, doch nicht nur das unausgegorene Drehbuch führt den Stoff zusehends in die sprichwörtliche Dunkelheit.
Als Jessies Vater, ein Höhlenforscher, nach seiner letzten Expedition stirbt, hinterlässt er ihr Aufzeichnungen in einem Tagebuch, aus denen deutlich die Existenz einer ominösen Kreatur hervorgeht. Mit ihrem Bruder und zwei weiteren Leuten geht es in eben jene Höhle, um der Existenz des vermeintlichen Monsters nachzugehen…
Nach einer brauchbaren Exposition, die nicht zuviel vorwegnimmt und den Vater in den letzten Zügen seiner Höhlenforschung zeigt, geht es mit der kleinen Gruppe relativ zügig in die Höhle. Allerdings ist das Team nur ansatzweise vorbereitet mit einer Rolle Garn und Helmen mit Stirnleuchten. Denn sollte sich hier ein angriffslustiges Wesen befinden, könnten stichhaltige Waffen ebenso helfen wie eine Seilausrüstung und etwas Nahrung für den längeren Aufenthalt.
Über die Hintergründe des Monsters erfährt man nur vage Andeutungen. Es könnte sich um eine außerirdische Lebensform handeln, die über telepathische Kräfte verfügt, welche jedoch nicht immer zünden. Dies erklärt zumindest, warum jemand während der Begehung plötzlich Stimmen hört und sich von der Gruppe absetzt, während andere weitgehend unbehelligt bleiben und dennoch irrationale Entscheidungen treffen, welche im Verlauf leider zunehmen.
Immerhin hält sich der Score über weite Teile zurück und lässt den natürlichen Umgebungsgeräuschen der Höhle den Vorzug, wodurch phasenweise eine stimmige, klaustrophobische Atmosphäre entsteht. Auch das zeitweilige Ausschalten der Beleuchtung mit Konzentration auf Stimmpositionen erweist sich als pfiffiger Einfall, welcher allerdings nur in Ansätzen zu einem schaurigen Moment führt. Gelungen ist auch, die Erscheinung der Kreatur relativ lange zurückzuhalten und anfangs nur schemenhaft zu bebildern, wobei das Erscheinungsbild des Wesens noch einigermaßen brauchbar ausgefallen ist.
Schwieriger wird es indes mit der Optik, die im Bereich schwach ausgeleuchteter Höhlen schon mal problematisch werden kann. Phasenweise reichen die mitgebrachten Leuchtmittel beileibe nicht aus und zuweilen ist kaum mehr einzuschätzen, wie weit die Figuren voneinander und von der Kreatur entfernt sind, weil die Dimensionen der Höhle kaum abschätzbar sind. Überraschend ist nur, wie rasch man gegebenenfalls wieder zum Eingang der Höhle zurückfindet, obgleich man zuvor recht umständlich im Innern herumschlich.
Demgegenüber scheint es gegen Ende eine partielle Überflutung zu geben, was allerdings so dilettantisch inszeniert ist, dass dies anhand einiger Sounds und zwei Bildern mit nassen Felsen kaum zu verifizieren ist. Dem Drehbuch geht es gegen Ende ähnlich, denn es wirft Fragen auf, die auf rationaler Ebene nicht zu klären sind, was nicht erst mit der Besessenheit einiger Individuen einsetzt. Auch die letzten Einstellungen lassen eher ratlos zurück, als die Angelegenheit pointiert abzuschließen.
Den passablen Darstellern ist bei alledem nicht allzu viel anzukreiden und die wenigen Gewalteinlagen in Form von Fleischwunden sind ebenfalls okay gestaltet, doch der eigentliche Horror verschiebt sich von einer stimmigen Höhlenbegehung hin zu einem unübersichtlichen Durcheinander voller Logiklöcher und bescheuerter Verhaltensweisen.
Im Endeffekt ergibt der Höhlenhorror, trotz anfänglich tauglicher Ansätze leider nur wenig, bis gar keinen Sinn.
3,5 von 10