Einige Vorgehensweisen sind in den USA eher möglich als hierzulande, z. B. durch die Wälder zu streifen und ungesehen Leute umzubringen. Und es gibt Dinge, die im deutschen Film eher unwahrscheinlich sind, etwa, dass ein Antagonist stumm bleibt und nicht spätestens im letzten Drittel die Argumentationskatze aus dem Sack lässt. Allzu viel geredet wird hier glücklicherweise nicht.
Mit einer ausgiebigen Waldwanderung sollte es ein etwas anderer Junggesellenabschied werden: Roman (David Kross), sein Bruder Albert (Hanno Koffler) und drei weitere Kollegen befinden sich noch auf einer Rucksacktour, als ein Gewehrschuss ertönt. Kurz darauf folgt ein weiterer und jemand aus der Gruppe wird leicht verletzt. Als der Schütze die Reifen des rettenden Fahrzeugs plättet, befinden sich die Freunde mitten im Fadenkreuz eines irren Jägers…
Gedreht wurde der Survival-Thriller innerhalb von zwei Herbstmonaten im Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz, was der Optik mithilfe der versierten Kamera beinahe durchweg zugute kommt. Beeindruckende Panoramen, urige Gewässer, angedeutete Höhleneingänge, mystisch wirkende Felsformen und einige Abgründe sorgen für eine ansprechende Kulisse, die auf jegliche visuelle Verfremdung verzichten kann.
Nur leider weiß Autor und Regisseur Thomas Sieben nur sehr bedingt etwas mit der simplen Prämisse anzufangen, weshalb er sich einiger Rückblenden bedient, die jedesmal den Fluss der Hatz unterbrechen. Es hätte gereicht, einmal zu bebildern, dass Roman mit seiner Dame im Urlaub eine glückliche Zeit verbrachte, davon ab steht ja schließlich die Hochzeit an.
Die übrigen Figuren sind indes zu vage gezeichnet, eine Gruppendynamik ist da schwer auszumachen, Zugehörigkeiten fallen nahezu weg, wobei es zwischen den Brüdern einige Reibungspunkte zu geben scheint.
Die Jagd selbst gestaltet sich weitgehend überraschungsfrei, zudem bestimmen einige Unwahrscheinlichkeiten wie ausbleibender Handyempfang das Treiben. Einige Zeit ist vom Jäger nicht viel zu sehen und gleichzeitig bleibt die Motivation zunächst nebulös. Jene wird ebenfalls per Flashback eingebunden und einigermaßen glaubhaft dargestellt, nur fehlt dem Ganzen letztlich die Durchschlagskraft und über weite Teile ein höheres Maß an Bewegung.
Denn phasenweise hat man nicht so sehr den Eindruck, dass die Typen wirklich und verzweifelt ums Überleben kämpfen.
Während den Darstellern nicht allzu viel abverlangt und folgerichtig solide geliefert wird, hält sich der Score angemessen zurück und überlässt die Soundkulisse der natürlichen Umgebung, wobei die Dialoge nicht immer optimal abgemischt sind. Zwar stimmt das Timing und die wenigen Gewalteinlagen sitzen, doch der Überlebenskampf folgt unterm Strich bekannten Pfaden, die zu keiner Zeit verlassen werden. Letztlich bleiben einige wenige spannende Einlagen, doch das Potential einer nervenaufreibenden Waldjagd wird nicht angemessen ausgeschöpft.
5,5 von 10