Eine gemeinsame Treckingtour in einem größeren Wald anläßlich des bevorstehenden Polterabends wird für Albert (Hanno Koffler), seinen Bruder Roman (David Kross) und ein paar Arbeitskollegen unversehens zum Alptraum, denn nach fröhlichem Paddeln im Fluß hören Sie bei der Rückkehr zum Auto Schüsse und müssen in der Folge feststellen, daß diese ihnen gelten. Treffer in Reifen und Scheibe des SUVs lassen eine rasche Flucht zu Fuß als das Gebot des Augenblicks erscheinen, besonders nachdem einer der 5 Männer angeschossen wird. Wer zum Teufel schießt auf harmlose Wanderer? Diese Frage stellt sich auch nach einiger Zeit, in der die Freunde durchs Unterholz geflüchtet waren, doch die Antwort bezüglich des weiteren Vorgehens fällt da schon nicht mehr so eindeutig aus, zumal sich der Heckenschütze nicht gezeigt und die Gruppe möglicherweise gar nicht verfolgt hatte. Hilfe von außen scheint ausgeschlossen, da das einzige verfügbare Handy natürlich keinen Empfang hat.
Weiterfliehen, einen anderen Ausweg suchen oder gar vorsichtig zurückgehen lauten somit die Optionen, die den Zusammenhalt der Männer langsam aber sicher ins Wanken bringen. Als man einen kleinen Waldtümpel erreicht, an dessen Ufer eine einzelne Person sitzt, ist der Zwist vergessen, da man nun endlich eine - vielleicht sogar ortskundige? - Person um Hilfe bitten kann...
Die Ausgangslage in Thomas Siebens (Kidnapping Stella) Survival-Thriller Prey ist ebenso eindeutig wie altbekannt: eine Gruppe jüngerer Leute gerät auf unbekanntem Terrain unvermittelt in Lebensgefahr und muß sich ohne Hilfsmittel gegen einen unsichtbaren Gegner behaupten. Doch keine Rednecks oder Monster stecken hinter der Attacke, sondern ein verhältnismäßig normaler Mensch, der noch dazu schon recht früh präsentiert wird, dessen Motive aber völlig im Dunklen bleiben. Erst viel später ergeben sich vage Hinweise auf das, was als Auslöser der Schüsse gelten mag, wirklich aufgeklärt wird es nicht und selbst die angedeutete Begründung bleibt moralisch höchst fragwürdig.
Neben der halbwegs spannend inszenierten Flucht sind die gruppendynamischen Prozesse, die diese Zwangslage hervorruft, das zweite Leitmotiv von Prey: Alberts Führungsrolle als Chef der kleinen Firma wird in Frage gestellt, ein rücksichtsloser Ausbeuter sei er, wie einer der Männer anmerkt, und tatsächlich scheint Albert über Leichen zu gehen, da er den angeschossenen Mitarbeiter Vincent, der das Fluchttempo hemmt, zurücklassen will. Sein jüngerer Bruder Roman, derzeit auf Jobsuche und voll Hoffnung, in Alberts Firma eine Anstellung zu bekommen, ist darüber jedoch entsetzt und sichert dem verletzten Vincent zu, ihn keinesfalls im Stich zu lassen. Mit der Figur des Roman gelingt es dem Drehbuch, einen der ansonsten kaum ausreichend charakterisierten Darsteller positiv hervorzuheben - die Rückblenden zu gemeinsamen Momenten mit seiner Freundin Lisa geraten allerdings zu schwülstig und bremsen das Geschehen unnötigerweise aus. Folgerichtig und erwartungsgemäß bleibt Roman dann, um es spoilerfrei auszudrücken, "relativ lange" am Leben.
Prey hatte sicherlich kein hohes Budget, dennoch wirkt der Film an keiner Stelle billig, die wenigen blutigen Effekte sind passabel in Szene gesetzt und ein bestimmter (Knall-)Effekt ist sogar als sehr gelungen zu bezeichnen. Lediglich der Schauplatz in der sächsischen Schweiz korreliert nicht so recht mit dem Münchner Kennzeichen des SUVs, doch fällt dies nicht weiter auf, da Lokalkolorit in diesem Streifen keine Rolle spielt - die kilometerweit bewaldeten Berge und Hügel vermitteln jedenfalls eindrücklich ein Bild zivilisationsferner Natur, in der die Gejagten ganz auf sich allein gestellt sind.
Am Schluß gehen dem Drehbuch dann die Ideen aus, was zu einem leider vorhersehbaren Ende führt, welches darüber hinaus auch einige Fragen offen läßt. Somit bleibt der deutsche Horror-Thriller Prey dann auch nur eine weitere unter vielen Varianten eines bekannten Themas, aber mehr will der mit nur 87 Minuten knackig kurze Streifen vermutlich auch gar nicht sein. 5 Punkte.