iHaveCNit: Der Perfekte Chef (2022) – Fernando León De Aranoa – Alamode Film
Deutscher Kinostart: 28.07.2022
gesehen am 29.07.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Petit – Reihe 1, Platz 6 – 20:30 Uhr
Das spanische Kino ist dieses Jahr sehr interessant und vielseitig. Von Müttern und Kriegsverbrechen in Pedro Almodovars „Parallele Mütter“ über Terror und Trauma in Iciar Bollains „Maixabel“ hin zu Filmproduktionen in Mariano Cohns und Gaston Duprats „Der Beste Film Aller Zeiten“ bekommen wir nun auch Fernando León De Aranoas „Der Perfekte Chef“ bzw. „El Buen Patron“ oder „The Good Boss“, der in Spanien der ganz große Hit geworden ist und vor allem mit Javier Bardem einen der größten, aktuellen Schauspieler des Landes in der Hauptrolle zu bieten hat.
Julio Blanco führt seit Jahrzehnten ein Familienunternehmen, dass sich auf Industriewaagen spezialisiert hat. Er und seine Firma hat bisher nahezu jeden Preis gewonnen, den es zu gewinnen gibt. Nur der spezielle und prestigeträchtige Preis für „Exzellente Unternehmensführung“ fehlt ihm noch und der unangekündigte Besuch der Jury steht auch unmittelbar bevor. Von Ehrgeiz getrieben ist ihm jedes Mittel recht, auch diesen Preis zu gewinnen. Blöd nur, dass ein gekündigter Mitarbeiter Stress macht, ein langjähriger Freund und Mitarbeiter gerade private Probleme mit auf die Arbeit bringt, durchaus der ein oder andere unpassende Gefallen eingefordert wird und er sich auf die Avancen einer geheimnisvollen neuen Praktikantin einlässt – und sich damit die Probleme scheinbar zu überschlagen drohen. Schafft er es, dieses Ungleichgewicht wieder herzustellen ?
Mein wohl naheliegendster Grund, warum ich mich für „Der Perfekte Chef“ interessiert habe, war die Besetzung und Beteiligung von Javier Bardem und hier liefert er natürlich richtig gut ab, denn seine Rolle des Julio Blanco ist sehr vielseitig und ambivalent – und daher sowohl gleichermaßen sympathisch als auch unsympathisch. Der Film spiegelt quasi einen Verlauf von wenigen Tagen und Arbeitstagen im Leben von Julio Blanco ab und kann sowohl in tägliche Kapitel als auch einzelne Handlungsstränge unterteilt werden, die allesamt durchaus einen vielseitigen Blick in das Innenleben von Julio Blanco, das Innenleben seiner Firma und auch den zwischenmenschlichen Beziehungen untereinander liefern. Die gesamten Situationen sind allesamt sehr witzig, unterhaltsam und runden die charmante und amüsante schwarze Komödie ab. Als bitterböse Satire und Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und dem Patriarchat jedoch ist der Film ein wenig zahm, harmlos und oberflächlich geraten. Da lag der Fokus des Films sicherlich dann eher darin, eine unterhaltsame, massentaugliche und leicht verdauliche schwarze Komödie zu liefern, deren Gleichgewicht leichter zu erreichen ist. Hervorzuheben möchte ich dennoch neben Bardem die junge spanische Schauspielerin Almudena Amor, die hier in der wichtigen Nebenrolle der Praktikantin Illiana ein richtig gutes Debüt abliefert.
„Der Perfekte Chef “ - My First Look – 8/10 Punkte.