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Die Erwartungshaltung gegenüber neuen Filmen vom Spanier Paco Plaza ist entsprechend hoch, - schließlich haben ihm Genrefans die Reihe um „REC“ zu verdanken. Reine Horrorfans benötigen allerdings ein wenig Geduld, bis sich die Schlinge enger zuzieht.

Model Susana (Almudena Amor) wohnt und arbeitet in Paris, als sie vom Krankenhaus in Madrid informiert wird, dass ihre Großmutter Pilar (Vera Valdez) einen Schlaganfall erlitt und ein Pflegefall ist. Bei Pilar angekommen, kümmert sich Susana solange, bis eine Pflegekraft eingestellt werden kann, doch die Zeit wird zusehends zu einem Alptraum…

Auch Pflege kann zum Horror werden, wie Plaza in unverblümten Bildern zu veranschaulichen weiß. Lange Zeit herrscht eine kammerspielartige Zweisamkeit vor, die von nur wenigen Worten begleitet wird, da Pilar nach der Hirnblutung nicht mehr sprechen kann, unter Inkontinenz leidet und einige motorische Fähigkeiten einbüßen musste. Keine leichte Aufgabe für jemanden, der von 0 auf 100 einer derartigen Belastungsprobe ausgesetzt ist.

Dabei wird direkt in den ersten Minuten mit einem interessanten Kontrast gespielt: Pilar ist Mitte 80, ausgemergelt und deutlich vom Leben gezeichnet, während Susana mit ihren 24 Jahren schon fast zu alt fürs Modelbusiness ist, wie ein Model Scout ihr unter die Nase reibt.
Was folgt, ist lange Zeit mehr Drama denn Horror und erst allmählich schleicht sich eine unbehagliche Atmosphäre ein, die stets ein wenig bedrückender wird, bevor es nach etwa einer Stunde deutlich konkreter und gleichermaßen temporeicher zugeht.

Plaza versteht das Spiel mit Licht und Schatten ausgezeichnet, während die versierte Kamera vor allem bei längeren Takes mit interessanten Perspektiven punktet. Mit Erschreckmomenten hält er sich eher zurück und auch Bluteinlagen werden sehr sparsam eingesetzt. Sein großer Trumpf ist die 85jährige Vera Valdez, die auch wortlos eine unglaubliche Präsenz an den Tag legt und nahezu jede Szene an sich reißt, obgleich Amor ebenfalls ausgezeichnet performt.

Leider kündigt sich die Pointe schon ein wenig mit der Einstiegsszene an, sie ist dennoch gelungen und hinterlässt einen angemessen bitteren Beigeschmack.
Einige Längen sind innerhalb der rund 100 Minuten aufgrund des langsamen Aufbaus zwar auszumachen, doch wer etwas Geduld aufbringt, erhält einen stimmungsvollen Streifen, dem handwerklich nichts anzukreiden ist.
6,5 von 10

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