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Lass das mal die Oma machen!


Omas - ein Thema für sich. Erst recht aus/in südländischen Gefilden wie Italien und Spanien, mindestens genauso Fluch wie Segen. Besonders meine (halb)italienische Cousine kann davon sicherlich ein Lied singen. Und dass das Altern 'ne Bitch ist, wissen wir eh mittlerweile alle. Der spanische „La Abuela“ zieht seinen bleibenderen Schrecken aus beiden wahren Begebenheiten - und leider auch aus genretypischen Stereotypen und Mustern, die niemanden mehr hinter'm Ofen hervorlocken. Erzählt wird die Geschichte eines noch recht jungen Models, das erfolgreich und glücklich in Paris arbeitet und lebt. Doch als ihre Oma in Madrid einen schweren Anfall erleidet und sich nicht mehr selbst versorgen kann, springt sie ein und will ihrem Fleisch und Blut womöglich auf den letzten Lebenskilometern zur Seite stehen. Ein Pflegeheim kommt zuerst nicht in Frage. Doch schnell kristallisiert sich mysteriös heraus, dass die gute Großmutter einige fiese Geheimnisse und Pläne inne hat…

„La Abuela“ hätte man auch ohne Frage in einem flotten 15-Minüter erledigen können. Aber nun haben wir halt einen ausgewachsenen Familiengrusler, der typisch spanischer kaum sein könnte. Die Einrichtung des Appartements, die Einflüsse von Argento und Polanski, die tolle altehrwürdige Schauspielerin der Oma, die wahren Kerne und Spannungen der Sache. Das passt, das sitzt, das macht Sinn, das hat Effekt und ist (zumindest für mich) äußerst nachvollziehbar. Dazu gesellen sich ein paar famose Bilder und Shots, wie etwa wenn sich das Gesicht unserer Protagonistin in allen kleinen Waben des Duschvorhangs hypnotisch spiegelt. Oder auch das dunkelblaue Badezimmer samt roter Beleuchtung, was italienisches Bahnhofskino der 70er und 80er quasi atmet. All das sind Details, die bei mir wirken. Was weniger hängen bleibt und Eindruck macht ist die magere Charakterentwicklung, der immergleiche Ort und allgemein die fragwürdigen Beweggründe der Omi. Denn egal wie anstrengend, egoistisch oder altbacken diese auch manchmal wirken können - derart zu handeln wie hier, ist dann doch arg weit hergeholt und metaphorisch in Sachen „Ich klaue dir dein Leben - mein Blut, meine Liebe!“. 

Fazit: routinierter Spaniengrusler, der seinen wahren Schrecken aus den wahren Ursprüngen gewinnt oder zumindest gewinnen will - und die heißen Alter, Familie, Pflege und Erbe. Ähnlich wie es ein „Hereditary“, „The VVitch“ oder sogar „Shining“ zum Teil auch hatten. Hier wirkt's jedoch eher wie ein solider, aufgeblähter und überklar strukturierter Kurzfilm. 

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